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Telegram statt Darknet? Ein Trend erklärt
Warum sich illegaler Handel teils vom Darknet zu Telegram verlagert, was Chainalysis und Europol berichten und was sich seit 2024 bei Telegram geändert hat.
Redaktion Darknet KompassAktualisiert am 3 Min. Lesezeit
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Teil des illegalen Onlinehandels hat sich vom Darknet zu Telegram verlagert – vor allem bei gestohlenen Daten und Betrugswerkzeugen.
- Chainalysis beschreibt große Telegram-Netzwerke, darunter chinesischsprachige Kanäle mit Zehntausenden Mitgliedern; Europol beobachtet die Nutzung verschlüsselter Messenger für Datenhandel.
- Seit September 2024 gibt Telegram auf gültige gerichtliche Anordnung IP-Adressen und Telefonnummern von Verdächtigen heraus.
- Darknet-Märkte verschwinden dadurch nicht: Ihre Umsätze stiegen 2025 laut Chainalysis sogar leicht.
Inhalt
Ist Telegram das neue Darknet? Die kurze Antwort: teilweise. Ein Teil des illegalen Onlinehandels – vor allem mit gestohlenen Daten, Betrugswerkzeugen und teils auch Drogen – findet inzwischen in Telegram-Kanälen statt. Gleichzeitig wachsen die Umsätze klassischer Darknet-Märkte weiter. Und Telegram selbst hat sich seit 2024 verändert.
Was die Daten zeigen
| Quelle | Befund |
|---|---|
| Chainalysis (2026) | Große kriminelle Netzwerke auf Telegram, darunter chinesischsprachige Kanäle mit Zehntausenden Mitgliedern; ein Kanal für Kartendaten hatte fast 27.000 Mitglieder |
| TRM Labs (2025) | Illegale Drogenverkäufe wuchsen 2024 und dehnten sich über klassische Darknet-Märkte hinaus aus |
| Europol IOCTA (2025) | Verschlüsselte Messenger werden zunehmend genutzt, um den Verkauf gestohlener Daten zu verhandeln |
| Chainalysis (2026) | Zahlungen an Darknet-Märkte und Drogenhändler stiegen 2025 trotzdem leicht auf gut 2,5 Mrd. US-Dollar |
Warum Telegram attraktiv ist
- Reichweite: Kanäle können Hunderttausende Mitglieder haben.
- Niedrige Hürde: Keine spezielle Software wie den Tor Browser nötig.
- Instabilität der Märkte: Nach Zerschlagungen und Exit-Scams suchen Händler Wege, ihre Kundschaft unabhängig von einem Markt zu halten.
- Lange Zurückhaltung gegenüber Behörden: Bis 2024 gab Telegram Daten nur in Terrorismusfällen heraus.
Die Wende 2024
Im August 2024 wurde Telegram-Gründer Pawel Durow in Frankreich festgenommen; die französische Justiz ermittelt unter anderem wegen mutmaßlicher Beihilfe zu Straftaten auf der Plattform. Kurz darauf, am 23. September 2024, änderte Telegram weltweit seine Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinie:
- Auf gültige Anordnung einer Justizbehörde, die eine Person als Verdächtigen benennt, gibt Telegram nun IP-Adressen und Telefonnummern heraus.
- Zuvor tat das Unternehmen das nur bei Terrorismusverdacht.
- Telegram kündigte zudem an, problematische Inhalte mit einem Moderationsteam und KI stärker zu entfernen.
Berichten zufolge stieg die Zahl der Datenherausgaben an Behörden danach stark an.
Was das für Nutzer bedeutet
- Telegram ist nicht anonym: Die Anmeldung erfordert eine Telefonnummer, normale Chats sind nicht Ende-zu-Ende verschlüsselt.
- Kein Käuferschutz: Keine Treuhand, keine Bewertungen von unabhängiger Stelle, viele Betrugsangebote.
- Strafbarkeit unverändert: Der Kauf illegaler Waren ist über Telegram genauso strafbar wie im Darknet.
Welche Messenger tatsächlich vertraulich sind, vergleicht Sichere Messenger im Überblick.
Einordnung
Der Trend zu Telegram ist real, aber er ersetzt das Darknet nicht. Klassische Märkte, Vendor-Shops und Messenger existieren nebeneinander. Für Ermittler bringt das Vor- und Nachteile: Öffentliche Kanäle sind leichter zugänglich, der Handel aber stärker zerstreut. Die Hintergründe und Geschäftsmodelle analysiert Trend: Telegram und Vendor-Shops.
Häufige Fragen
Warum ausgerechnet Telegram?
Wegen der großen Reichweite, der einfachen Bedienung und Kanälen mit Zehntausenden Mitgliedern. Lange galt Telegram zudem als zurückhaltend gegenüber Behördenanfragen. Für Kunden ist die Hürde niedriger als beim Tor Browser.
Ist Telegram verschlüsselt?
Normale Chats und Kanäle nicht Ende-zu-Ende. Sie liegen auf Telegrams Servern. Nur sogenannte geheime Chats zwischen zwei Personen sind Ende-zu-Ende verschlüsselt.
Was bedeutet das für Ermittler?
Öffentliche Kanäle sind offen einsehbar, und seit 2024 sind Auskünfte über Verdächtige möglich. Gleichzeitig ist der Handel über viele kleine Kanäle zerstreut und schwerer zu messen als auf wenigen großen Märkten.
Quellen
- ChainalysisDrugs and Darknet Markets: 2026 Crypto Crime Report abgerufen am 20.10.2026
- GIGAZINEMessaging app Telegram can now provide users' IP addresses and phone numbers to relevant authorities abgerufen am 20.10.2026
- eucrimIOCTA 2025 abgerufen am 20.10.2026
- Tom's GuideTelegram data sharing has increased by 6,000% since CEO's arrest abgerufen am 20.10.2026
- TRM LabsCategory deep-dive: Illicit drug sales grew and expanded outside of darknet marketplaces in 2024 abgerufen am 20.10.2026
Redaktion
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Zuletzt aktualisiert am 20. Oktober 2026