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Bohemia Market: Exit-Scam und Festnahmen

Bohemia galt als größter Darknet-Markt seiner Zeit. Wie er Ende 2023 nach Ausfällen verschwand und die Polizei 2024 zwei mutmaßliche Administratoren festnahm.

Redaktion Darknet KompassAktualisiert am 2 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Bohemia Market startete 2021 und war laut niederländischer Polizei zeitweise der weltweit größte Darknet-Markt.
  • Im September 2023 setzte er rekordverdächtige 12 Millionen Euro um; monatlich gab es rund 67.000 Transaktionen.
  • Ende 2023 folgten Ausfälle und Streit im Team; Bohemia und sein Schwestermarkt Cannabia verschwanden – mutmaßlich per Exit-Scam.
  • 2024 nahmen Ermittler zwei mutmaßliche Administratoren in den Niederlanden und Irland fest und stellten 8 Millionen Euro in Kryptowährung sicher.
Inhalt

Bohemia Market war ein Darknet-Markt, der 2021 startete und laut niederländischer Polizei zeitweise der größte und am längsten bestehende Markt seiner Art weltweit war. Ende 2023 geriet er in eine Krise aus Ausfällen und internen Konflikten und verschwand – zusammen mit seinem Schwestermarkt Cannabia. Die Ermittler gehen von einem Exit-Scam aus. Im Herbst 2024 wurden zwei mutmaßliche Administratoren festgenommen.

Steckbrief

Zeitraum2021 – Ende 2023
AngebotDrogen, illegale Waren, Cybercrime-Dienste wie DDoS-Werkzeuge
GrößeRund 82.000 Anzeigen täglich, rund 67.000 Transaktionen pro Monat
RekordumsatzRund 12 Mio. Euro im September 2023
SchwestermarktCannabia (Cannabis)
EndeAusfälle, interner Streit, mutmaßlicher Exit-Scam
FestnahmenZwei mutmaßliche Administratoren, 2024

Aufstieg

Bohemia wuchs in einer Phase, in der viele westliche Märkte verschwanden – etwa Vice City per Exit-Scam im Juli 2023. Allein aus den Niederlanden wurden über Bohemia mindestens 14.000 Transaktionen im Wert von mindestens 1,7 Millionen Euro abgewickelt. Im September 2023 erreichte der Markt mit rund 12 Millionen Euro seinen höchsten Monatsumsatz.

Das Ende

Ab Ende 2023 häuften sich Störungen. Ein Entwickler soll sich gegen das Team gewandt haben; ein Administrator sprach öffentlich von „beschämenden“ Vorgängen. Um den Jahreswechsel 2023/24 waren Bohemia und Cannabia verschwunden.

Nach Darstellung der Ermittler hatten die Betreiber von den Ermittlungen erfahren, die Märkte geschlossen und sich mit dem Geld abgesetzt. Bis dahin sollen sie rund 5 Millionen Euro verdient haben. Das typische Muster eines Exit-Scams – Ausfälle, Erklärungen, Verschwinden – passt dazu.

Die Ermittlungen

ZeitpunktEreignis
Ende 2022Niederländische Polizei beginnt Ermittlungen, später mit Irland, Großbritannien und den USA
Im Lauf der ErmittlungenServer in den Niederlanden werden aufgespürt
Ende 2023Bohemia und Cannabia verschwinden
Bis Oktober 2024Festnahme eines mutmaßlichen Administrators in den Niederlanden und eines weiteren in Irland; Beschlagnahmung von zwei Fahrzeugen und 8 Mio. Euro in Kryptowährung
Oktober 2024Die Polizei macht die Ermittlungen öffentlich

Stan Duijf von der niederländischen Nationalen Ermittlungseinheit kommentierte: Das Darknet sei „überhaupt nicht so anonym, wie Nutzer vielleicht denken“.

Was der Fall zeigt

  1. Ein Exit-Scam rettet nicht vor Strafverfolgung. Die Betreiber verschwanden, wurden aber innerhalb eines Jahres festgenommen.
  2. Server im eigenen Land sind riskant. Wie bei Wall Street Market und Hydra lag die Infrastruktur dort, wo ermittelt wurde.
  3. 2023 war ein Krisenjahr. Vice City, Bohemia und Kingdom endeten innerhalb weniger Monate – auf drei verschiedene Arten.

Häufige Fragen

War das Ende von Bohemia ein Exit-Scam?

Nach Darstellung der Ermittler ja: Die Betreiber sollen von den Ermittlungen erfahren, die Märkte geschlossen und sich mit dem Geld abgesetzt haben. Bis dahin sollen sie rund 5 Millionen Euro verdient haben. TRM Labs sprach ebenfalls von einem mutmaßlichen Exit-Scam.

Was war Cannabia?

Ein Schwestermarkt von Bohemia, der auf Cannabis spezialisiert war und vom selben Umfeld betrieben wurde. Er verschwand zur selben Zeit.

Wie kamen die Ermittler auf Bohemia?

Die niederländische Polizei ermittelte seit Ende 2022 und spürte Server in den Niederlanden auf. Beteiligt waren auch Behörden aus Irland, Großbritannien und den USA.

Quellen

  1. The Hacker NewsBohemia and Cannabia dark web markets taken down after joint police operation abgerufen am 20.10.2026
  2. Searchlight CyberAlleged administrators of Bohemia and Cannabia dark web markets arrested abgerufen am 20.10.2026
  3. TRM LabsCategory deep-dive: Illicit drug sales grew and expanded outside of darknet marketplaces in 2024 abgerufen am 20.10.2026
  4. EUDAData: lifetime and reason for closure of global darknet markets offering drugs abgerufen am 20.10.2026

Redaktion Darknet Kompass

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Die Redaktion recherchiert, schreibt und prüft alle Inhalte nach den veröffentlichten Redaktionsgrundsätzen. Jeder Artikel nennt seine Quellen.

Zuletzt aktualisiert am 20. Oktober 2026

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