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Tor-Zensur in Russland und Iran

Wie Russland und Iran Tor blockieren, welche Werkzeuge Menschen dort trotzdem verbinden – WebTunnel, Snowflake, Conjure – und was die Sperren 2025/26 zeigen.

Redaktion Darknet KompassAktualisiert am 3 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Russland blockiert Tor seit Dezember 2021 und setzte 2025 zunehmend auf Sperrlisten und das Filtern ganzer Adressbereiche.
  • In Russland ist WebTunnel das wichtigste Werkzeug; Zensoren listeten im Juni 2025 jedoch viele WebTunnel-Bridges, worauf das Tor Project neue Verteilwege schuf.
  • In Iran ist Snowflake das meistgenutzte Werkzeug; mit Conjure kam ein neues Transportverfahren hinzu.
  • Bei landesweiten Internetsperren – wie in Iran im Juni 2025 und ab Januar 2026 – hilft auch Tor nur noch eingeschränkt.
Inhalt

Für Menschen in Deutschland ist Tor vor allem ein Werkzeug für Privatsphäre. In Ländern wie Russland und Iran ist es oft der einzige Weg zu unabhängigen Nachrichten. Beide Staaten versuchen seit Jahren, Tor zu blockieren – und das Tor Project entwickelt laufend Gegenmittel. Dieser Artikel zeigt den Stand der Auseinandersetzung.

Wie Zensur gegen Tor funktioniert

MethodeFunktionsweiseGegenmittel
Sperre öffentlicher RelaysDie Liste aller Tor-Relays ist öffentlich und wird blockiertBridges: nicht gelistete Eingangsknoten
Erkennen des VerkehrsTor-Verbindungen werden an typischen Mustern erkanntPluggable Transports wie obfs4 tarnen den Verkehr
Sperre ganzer AdressbereicheStatt einzelner Server werden ganze Netze blockiertSnowflake über wechselnde Freiwillige, WebTunnel hinter normalen Websites
ErlaubnislistenNur freigegebene Dienste sind erreichbar, alles andere ist gesperrtSehr schwer zu umgehen; Werkzeuge, die wie erlaubte Dienste aussehen
Komplette AbschaltungDas Internet wird landesweit weitgehend abgeschaltetKaum möglich; nur über Umwege ins Ausland

Die Grundlagen erklärt Tor-Bridges: Snowflake, obfs4 und Co..

Russland

Russland blockiert das Tor-Netzwerk seit Dezember 2021. Seitdem hat die Medienaufsicht die Methoden ausgebaut. 2025 beobachtete das Tor Project vor allem zwei Ansätze: Erlaubnislisten und das Blockieren ganzer Adressbereiche.

Das wichtigste Werkzeug in Russland ist WebTunnel. Es lässt Tor-Verkehr wie Zugriffe auf eine normale Website aussehen. Im Juni 2025 gelang es den Zensoren jedoch, einen großen Teil der WebTunnel-Bridges zu erfassen und zu sperren. Das Tor Project reagierte, indem es neue Bridges über zusätzliche Wege verteilte, unter anderem über seinen Bot im Messenger Telegram, und Freiwillige zum Betrieb neuer WebTunnel-Bridges aufrief.

Iran

In Iran ist Snowflake das meistgenutzte Werkzeug gegen Zensur. Dabei läuft der Verkehr über die Browser von Freiwilligen weltweit, deren Adressen ständig wechseln. Mit Conjure kam ein neues Verfahren hinzu, das Verbindungen in ungenutzten Adressbereichen kooperierender Netzbetreiber versteckt.

Während des Krieges im Juni 2025 schränkte Iran das Internet weitgehend ein. Ab dem 8. Januar 2026 folgte eine weitere landesweite Sperre im Zusammenhang mit Protesten. Nach dem 28. Februar 2026 wurde sie verschärft und erst ab dem 26. Mai 2026 teilweise aufgehoben. In dieser Zeit nutzten Menschen Snowflake, VPN-Dienste und Psiphon – soweit überhaupt Verbindungen möglich waren.

Was die Entwicklung zeigt

  1. Wettlauf ohne Ende: Jede neue Sperrmethode führt zu neuen Gegenmitteln, und umgekehrt.
  2. Vielfalt schützt: Mehrere Transportverfahren und Verteilwege erschweren es Zensoren, alle gleichzeitig zu blockieren.
  3. Grenzen der Technik: Gegen eine fast vollständige Abschaltung des Internets hilft auch Tor kaum.
  4. Freiwillige sind entscheidend: Bridges und Snowflake-Proxys werden von Freiwilligen betrieben – auch aus Deutschland.

Mithelfen

Wer helfen will, kann die Snowflake-Erweiterung im Browser installieren oder eine WebTunnel-Bridge auf einem eigenen Server betreiben. Beides ist in Deutschland legal; Anleitungen bietet das Tor Project. Warum anonyme Kommunikation für Presse und Zivilgesellschaft wichtig ist, erklärt Darknet und Zensur.

Häufige Fragen

Was ist eine Bridge?

Eine Bridge ist ein Tor-Eingangsknoten, der nicht öffentlich gelistet ist. Zensoren können sie deshalb schwerer blockieren. Pluggable Transports wie obfs4, Snowflake oder WebTunnel tarnen zusätzlich den Datenverkehr.

Wie hilft WebTunnel gegen Zensur?

WebTunnel lässt Tor-Verkehr wie gewöhnlichen verschlüsselten Webverkehr zu einer normalen Website aussehen. Eine Sperre würde dann auch harmlose Websites treffen.

Kann ich von Deutschland aus helfen?

Ja. Mit der Browser-Erweiterung Snowflake stellst du deine Verbindung als Brücke zur Verfügung. Wer einen Server betreibt, kann eine WebTunnel-Bridge einrichten. Beides ist in Deutschland legal und vom Tor Project dokumentiert.

Quellen

  1. Tor ProjectStaying ahead of censors in 2025 abgerufen am 20.10.2026
  2. Tor ProjectCall for WebTunnel bridges abgerufen am 20.10.2026
  3. Wikipedia2026 Internet blackout in Iran abgerufen am 20.10.2026

Redaktion Darknet Kompass

Redaktion

Die Redaktion recherchiert, schreibt und prüft alle Inhalte nach den veröffentlichten Redaktionsgrundsätzen. Jeder Artikel nennt seine Quellen.

Zuletzt aktualisiert am 20. Oktober 2026

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