FortgeschrittenSicherheit und Anonymität

DNS- und WebRTC-Leaks verstehen

Was DNS- und WebRTC-Leaks sind, warum sie bei VPNs deine IP-Adresse oder dein Surfverhalten verraten und wie Tor Browser und Tails davor schützen.

Redaktion Darknet KompassAktualisiert am 3 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein DNS-Leak verrät, welche Domains du aufrufst, weil Namensanfragen am VPN oder Proxy vorbeilaufen.
  • Ein WebRTC-Leak kann deine echte IP-Adresse verraten, weil Browser für Echtzeitverbindungen direkte Wege suchen.
  • Lecks sind vor allem ein Problem von VPNs, Proxys und normalen Browsern, die von Hand „anonymisiert“ wurden.
  • Im Tor Browser werden Namen über das Tor-Netzwerk aufgelöst; Tails und Whonix blockieren Verbindungen an Tor vorbei zusätzlich auf Systemebene.
Inhalt

Ein Leck („Leak“) liegt vor, wenn Daten an deinem Schutz vorbei ins Netz gelangen. Bei einem DNS-Leak werden die Namen der aufgerufenen Websites nicht über das VPN oder Tor, sondern direkt beim Internetanbieter nachgefragt. Bei einem WebRTC-Leak verrät der Browser für Echtzeitverbindungen deine echte IP-Adresse. Beides betrifft vor allem VPNs, Proxys und „selbst gebaute“ Anonymisierungslösungen.

Was DNS ist

Computer im Internet finden sich über IP-Adressen. Damit du nicht eine Zahlenfolge wie 203.0.113.10 eintippen musst, übersetzt das Domain Name System (DNS) Namen wie „beispiel.de“ in Adressen. Diese Anfragen gehen normalerweise an den DNS-Server deines Internetanbieters – der dadurch sieht, welche Domains du aufrufst.

Wie ein DNS-Leak entsteht

Bei einem VPN sollen alle Daten durch den verschlüsselten Tunnel laufen, auch die DNS-Anfragen. Wenn das Betriebssystem aber weiterhin den DNS-Server des Internetanbieters fragt, entsteht ein Leck:

Ohne LeckMit DNS-Leck
Dein Internetanbieter sieht nur: Verbindung zum VPNDein Internetanbieter sieht jede aufgerufene Domain
Die Website sieht die IP des VPNDie Website sieht weiterhin die IP des VPN

Ein DNS-Leak verrät also nicht unbedingt deine IP-Adresse gegenüber Websites, wohl aber dein Surfverhalten gegenüber dem Internetanbieter oder jedem, der dein Netz beobachtet. Typische Ursachen sind falsch konfigurierte VPN-Programme, mehrere Netzwerkverbindungen gleichzeitig (etwa WLAN und Mobilfunk) oder Systemfunktionen, die DNS-Server automatisch bevorzugen.

Wie ein WebRTC-Leak entsteht

WebRTC ist eine Browsertechnik für Videoanrufe, Sprachchats und Dateiübertragung in Echtzeit. Um möglichst direkte Verbindungen aufzubauen, ermittelt der Browser verfügbare Netzwerkadressen – darunter unter Umständen deine echte öffentliche oder lokale IP-Adresse. Eine Website kann diese per JavaScript auslesen, selbst wenn du ein VPN oder einen Proxy nutzt.

WebRTC nutzt zudem überwiegend das Übertragungsprotokoll UDP, das Tor nicht transportiert. Aus diesen Gründen hat das Tor Project WebRTC im Tor Browser lange deaktiviert und behandelt eine Freigabe nur unter strengen Voraussetzungen.

Wie Tor Browser und Tails schützen

  • DNS über Tor: Der Tor Browser lässt Domainnamen nicht lokal auflösen, sondern schickt sie durch das Tor-Netzwerk. Das Exit-Relay stellt die Anfrage für dich. Dein Internetanbieter sieht nur, dass du Tor nutzt.
  • Kein Umweg über WebRTC: Der Tor Browser ist so gebaut, dass Webfunktionen keine Verbindungen an Tor vorbei aufbauen.
  • Systemweiter Schutz: Tails und Whonix blockieren auf Systemebene jede Verbindung, die nicht über Tor läuft. Selbst ein fehlerhaftes Programm kann dort nicht direkt ins Internet.

Das Restrisiko liegt außerhalb des Browsers: Andere Programme auf deinem Rechner und heruntergeladene Dokumente, die du öffnest, während der Rechner online ist, können Verbindungen ohne Tor aufbauen. Das Tor Project warnt ausdrücklich davor.

Lecks bei VPNs vermeiden

  1. VPN-Programm des Anbieters nutzen und dessen Schutz vor DNS-Lecks aktivieren.
  2. Kill-Switch einschalten: Er unterbricht die Verbindung, wenn das VPN ausfällt.
  3. WebRTC im Alltagsbrowser einschränken oder einen Browser nutzen, der lokale Adressen verbirgt.
  4. Regelmäßig testen, besonders nach Updates von Betriebssystem oder VPN-Programm.

Worauf du bei der Wahl eines VPN achten solltest, steht unter VPN-Anbieter richtig auswählen.

Leck ist nicht gleich Leck

Für die Anonymität ist das schwerwiegendste Leck die echte IP-Adresse gegenüber einer Website, gefolgt von Domain-Abfragen beim eigenen Internetanbieter. Wer wirklich anonym sein muss, verlässt sich deshalb nicht auf ein VPN, sondern auf Tor – am besten in einem System, das Lecks technisch ausschließt.

Häufige Fragen

Wie teste ich auf DNS- und WebRTC-Leaks?

Es gibt Testseiten, die anzeigen, welche DNS-Server deine Anfragen beantworten und welche IP-Adressen dein Browser über WebRTC preisgibt. Tauchen dort dein Internetanbieter oder deine echte IP-Adresse auf, obwohl du ein VPN nutzt, liegt ein Leck vor.

Hat der Tor Browser DNS-Leaks?

Nicht im Normalbetrieb. Der Tor Browser lässt Domainnamen über das Tor-Netzwerk auflösen; die Anfrage stellt das Exit-Relay. Lecks entstehen eher durch andere Programme oder heruntergeladene Dokumente, die außerhalb des Browsers eine Verbindung aufbauen.

Sieht das Exit-Relay meine DNS-Anfragen?

Ja. Das Exit-Relay löst die Namen für dich auf und kennt deshalb die aufgerufene Domain, aber nicht deine IP-Adresse.

Quellen

  1. Tor SpecificationsProposal 317: Secure DNS name resolution abgerufen am 20.10.2026
  2. Tor Project ForumEnable WebRTC in Tor Browser (Diskussion) abgerufen am 20.10.2026
  3. Tor Project GitLabEnable webrtc for base-browser (#41021) abgerufen am 20.10.2026
  4. Tor Project SupportUsing Tor Browser with a VPN abgerufen am 20.10.2026
  5. Tor ProjectDownload warning for documents opened outside Tor Browser abgerufen am 20.10.2026

Redaktion Darknet Kompass

Redaktion

Die Redaktion recherchiert, schreibt und prüft alle Inhalte nach den veröffentlichten Redaktionsgrundsätzen. Jeder Artikel nennt seine Quellen.

Zuletzt aktualisiert am 20. Oktober 2026

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