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VPN-Anbieter richtig auswählen

Woran du einen vertrauenswürdigen VPN-Anbieter erkennst: Protokollierung, Audits, Bezahlung, Kill-Switch, Standort – und warum kostenlose VPN-Apps riskant sind.

Redaktion Darknet KompassAktualisiert am 3 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein VPN verlagert Vertrauen von deinem Internetanbieter auf den VPN-Anbieter – wähle ihn deshalb sorgfältig.
  • Entscheidend sind: keine Protokollierung (belegt durch Audits oder echte Behördenfälle), Kill-Switch, Schutz vor DNS-Lecks und datensparsame Bezahlung.
  • Kostenlose VPN-Apps sind oft riskant: Eine Studie fand 2017 bei 283 Android-VPN-Apps, dass 18 Prozent gar nicht verschlüsselten und 84 Prozent Verkehr preisgaben.
  • Ein VPN ist kein Anonymisierungswerkzeug wie Tor.
Inhalt

Ein VPN leitet deinen Internetverkehr verschlüsselt über einen Server des Anbieters. Dein Internetanbieter sieht dann nur noch die Verbindung zum VPN, Websites sehen die IP-Adresse des VPN-Servers. Der VPN-Anbieter selbst aber sieht alles. Bei der Auswahl kommt es deshalb vor allem auf eine Frage an: Kannst du diesem Unternehmen vertrauen?

Was ein VPN leistet – und was nicht

LeistetLeistet nicht
Schutz im öffentlichen WLANAnonymität gegenüber dem VPN-Anbieter
Verbirgt dein Surfziel vor dem InternetanbieterSchutz vor Tracking durch Cookies und Fingerprinting
Andere IP-Adresse gegenüber WebsitesSchutz vor Schadsoftware oder Phishing
Umgehung einfacher Sperren und Geo-BlockadenZugang zu Onion-Diensten

Für echte Anonymität ist Tor das richtige Werkzeug. Warum Tor und VPN zusammen meist keinen Vorteil bringen, erklärt Tor und VPN kombinieren.

Acht Kriterien für die Auswahl

  1. Keine Protokollierung – und zwar belegt. Viele werben mit „No Logs“. Aussagekräftig sind unabhängige Prüfungen und reale Fälle. Als im April 2023 die schwedische Polizei mit einem Durchsuchungsbeschluss beim Anbieter Mullvad erschien, gingen die Beamten nach eigenen Angaben des Unternehmens ohne Kundendaten wieder, weil die gesuchten Daten nicht existierten.
  2. Kill-Switch. Fällt die VPN-Verbindung aus, muss die App den Verkehr sofort stoppen, statt ungeschützt weiterzusurfen.
  3. Schutz vor DNS- und WebRTC-Lecks. Siehe DNS- und WebRTC-Leaks verstehen.
  4. Datensparsame Anmeldung und Bezahlung. Je weniger der Anbieter über dich weiß, desto weniger kann er herausgeben. Manche Anbieter kommen ohne E-Mail-Adresse aus und akzeptieren Barzahlung.
  5. Quelloffene Apps. Offener Code lässt sich unabhängig prüfen.
  6. Moderne Protokolle. WireGuard und OpenVPN gelten als bewährt.
  7. Unternehmenssitz und Eigentümer. Wer steht hinter dem Dienst, und welche Gesetze gelten dort? Undurchsichtige Eigentümerstrukturen sind ein Warnsignal.
  8. Transparenz. Veröffentlicht der Anbieter Berichte über Behördenanfragen und reagiert er offen auf Sicherheitsprobleme?

Vorsicht bei kostenlosen VPN-Apps

Betrieb und Bandbreite kosten Geld. Wer nicht mit Geld bezahlt, bezahlt oft mit Daten. Eine Studie von Forschern der australischen Forschungsorganisation CSIRO, des International Computer Science Institute (ICSI) in Berkeley und der University of New South Wales untersuchte 2017 283 VPN-Apps für Android:

  • 18 Prozent verschlüsselten den Verkehr überhaupt nicht,
  • 84 Prozent gaben Datenverkehr preis,
  • viele bauten Tracking-Bibliotheken ein, einige spielten Tracking-Code in Websites ein.

Die Studie ist einige Jahre alt, das Grundproblem besteht aber fort: Ein VPN, dessen Geschäftsmodell du nicht verstehst, ist ein Risiko.

Typische Werbeversprechen richtig lesen

VersprechenWas dahinterstecken kann
„Militärische Verschlüsselung“Standard-Verschlüsselung (AES), die jeder seriöse Anbieter nutzt
„100 % anonym“Unmöglich – der Anbieter kennt deine IP-Adresse
„Schutz vor Hackern“Gilt nur für das unsichere WLAN, nicht für Schadsoftware oder Phishing
„Keine Logs“Nur so viel wert wie die unabhängige Prüfung dahinter

Fazit

Ein seriöses VPN ist ein nützliches Werkzeug für mehr Privatsphäre im Alltag. Wähle es nach belegter Datensparsamkeit, nicht nach Werbung. Und verlasse dich für Anonymität nicht auf ein VPN, sondern auf Tor.

Häufige Fragen

Brauche ich ein VPN?

Für Schutz in öffentlichen WLANs, gegen Tracking durch den Internetanbieter oder für Geo-Sperren kann ein VPN sinnvoll sein. Für Anonymität ist Tor die bessere Wahl.

Woran erkenne ich, dass ein Anbieter wirklich nichts speichert?

Werbeversprechen allein reichen nicht. Aussagekräftiger sind unabhängige Prüfungen, quelloffene Apps und reale Fälle, in denen Behörden beim Anbieter nichts fanden – etwa 2023 bei Mullvad in Schweden.

Sind VPNs in Deutschland legal?

Ja. Die Nutzung eines VPN ist in Deutschland erlaubt. Strafbar bleibt, was auch ohne VPN strafbar ist.

Quellen

  1. MullvadMullvad VPN was subject to a search warrant. Customer data not compromised abgerufen am 20.10.2026
  2. ICSI, UC BerkeleyStudy: Many free Android VPN apps not secure abgerufen am 20.10.2026
  3. it-daily.netWorauf Nutzer bei VPNs achten sollten abgerufen am 20.10.2026
  4. Tor Project SupportUsing Tor Browser with a VPN abgerufen am 20.10.2026

Redaktion Darknet Kompass

Redaktion

Die Redaktion recherchiert, schreibt und prüft alle Inhalte nach den veröffentlichten Redaktionsgrundsätzen. Jeder Artikel nennt seine Quellen.

Zuletzt aktualisiert am 20. Oktober 2026

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