FortgeschrittenSicherheit und Anonymität
Metadaten aus Dateien entfernen
Welche Metadaten Fotos, PDFs und Office-Dateien verraten, wie du sie mit mat2, ExifTool und Bordmitteln entfernst – und welche Spuren dabei übrig bleiben.
Redaktion Darknet KompassAktualisiert am 3 Min. Lesezeit
Das Wichtigste in Kürze
- Metadaten verraten oft Gerät, Aufnahmeort (GPS), Zeitpunkt und Autor einer Datei.
- mat2 und ExifTool entfernen Metadaten aus Fotos, PDFs, Office- und Audiodateien; mat2 ist in Tails enthalten.
- Kein Werkzeug garantiert, alle Metadaten zu finden – auch mat2 nicht.
- Auch der sichtbare Inhalt verrät viel; Farblaserdrucker können zudem unsichtbare Kennungen auf Ausdrucke drucken.
Inhalt
Metadaten sind „Daten über Daten“: Informationen, die eine Datei über sich selbst mitführt – etwa mit welchem Gerät ein Foto aufgenommen wurde, wo und wann, oder wer ein Dokument verfasst hat. Wer anonym Fotos oder Dokumente teilt, muss sie vorher entfernen. Das geht mit Werkzeugen wie mat2 und ExifTool oder mit Bordmitteln des Betriebssystems.
Was Metadaten verraten
| Dateityp | Typische Metadaten |
|---|---|
| Fotos (JPEG, HEIC) | Kameramodell, Seriennummer, Aufnahmezeit, GPS-Koordinaten, Bearbeitungssoftware |
| Office-Dokumente | Autor, Firma, letzter Bearbeiter, Bearbeitungszeit, Kommentare, Änderungsverlauf |
| Autor, Erstellungsprogramm, Erstellungs- und Änderungsdatum | |
| Audio und Video | Aufnahmegerät, Ort, Software |
| Ausdrucke | Bei manchen Farblaserdruckern unsichtbare gelbe Punkte mit Druckerkennung und Druckzeit |
Ein Beispiel aus dem Darknet: Als die niederländische Polizei 2017 den Marktplatz Hansa unbemerkt übernommen hatte, sammelte sie unter anderem Standortdaten aus Fotos, die Händler hochluden, bevor die Plattform sie entfernen konnte.
Werkzeuge zum Entfernen
mat2
mat2 („Metadata Anonymisation Toolkit“) entfernt Metadaten aus vielen Formaten: Bilder (JPEG, PNG, TIFF, WebP und andere), PDF, Office- und OpenDocument-Dateien, Audio, Video, EPUB und Archive. Es ist im Live-System Tails bereits enthalten und unter Linux über die Paketverwaltung oder pip install mat2 erhältlich.
mat2 --show foto.jpg # Metadaten anzeigen
mat2 foto.jpg # bereinigte Kopie foto.cleaned.jpg erzeugen
Wichtig zu wissen: mat2 verändert im Standardmodus unter Umständen den Inhalt, um möglichst viel zu entfernen – PDF-Text ist danach zum Beispiel oft nicht mehr markierbar. Und die Entwickler betonen selbst, dass es keine zuverlässige Methode gibt, in komplexen Formaten alle Metadaten zu erkennen. Wenn --show nichts findet, heißt das nicht, dass die Datei sauber ist.
ExifTool
ExifTool ist ein weit verbreitetes Programm zum Lesen und Bearbeiten von Metadaten für Windows, macOS und Linux.
exiftool foto.jpg # alle Metadaten anzeigen
exiftool -all= foto.jpg # alle Metadaten entfernen
ExifTool legt dabei standardmäßig eine Sicherungskopie des Originals an (foto.jpg_original). Lösche sie, wenn du sie nicht brauchst. Ausführlich vergleicht beide Programme ExifTool und mat2: Metadaten-Tools.
Bordmittel
- Windows: Rechtsklick auf die Datei → Eigenschaften → Details → „Eigenschaften und persönliche Informationen entfernen“.
- iPhone: Beim Teilen eines Fotos oben auf „Optionen“ tippen und „Ort“ deaktivieren.
- Kamera-Apps: Die Speicherung des Standorts in den Kameraeinstellungen grundsätzlich abschalten.
- Office: In Word und LibreOffice gibt es Funktionen, um Dokumente auf persönliche Informationen und Kommentare zu prüfen.
Bordmittel entfernen oft nur einen Teil der Metadaten. Für sensible Fälle sind mat2 oder ExifTool die bessere Wahl.
Was kein Werkzeug entfernt
Metadaten sind nur ein Teil des Problems. Auch der sichtbare Inhalt kann verraten:
- Bildinhalt: Spiegelungen in Fenstern oder Brillen, Straßenschilder, ein Blick aus dem Fenster, Hände, Tattoos, Möbel.
- Dokumenteninhalt: Formulierungen, die nur wenige kennen, interne Aktenzeichen, ein Schreibstil.
- Versteckte Markierungen: Unternehmen können Dokumente mit individuellen Wasserzeichen oder minimalen Textunterschieden versehen, um undichte Stellen zu finden.
- Druckerkennungen: Manche Farblaserdrucker drucken laut der Electronic Frontier Foundation unsichtbare gelbe Punktmuster, die den Drucker identifizieren können. Im Fall der NSA-Mitarbeiterin Reality Winner halfen solche Punkte auf einem an eine Redaktion geschickten Ausdruck 2017, den verwendeten Drucker zu bestimmen.
Die sichere Reihenfolge
- Datei auf einem Gerät bearbeiten, das nicht mit deiner Identität verbunden ist, ideal in Tails.
- Metadaten anzeigen lassen.
- Mit mat2 oder ExifTool bereinigen.
- Erneut prüfen – und den Inhalt selbst kritisch ansehen.
- Originale und Sicherungskopien sicher löschen, sofern du sie nicht brauchst.
Häufige Fragen
Entfernen soziale Netzwerke Metadaten automatisch?
Viele große Plattformen entfernen EXIF-Daten aus veröffentlichten Fotos, speichern sie aber unter Umständen selbst. Messenger und E-Mail übertragen Dateien oft unverändert. Verlasse dich nicht darauf, sondern bereinige vorher.
Reicht ein Screenshot, um Metadaten loszuwerden?
Ein Screenshot enthält keine GPS-Daten des Originals, aber eigene Metadaten wie Gerät und Zeitpunkt. Zudem bleibt alles Sichtbare erhalten. Bereinige auch Screenshots.
Kann man gelöschte Metadaten wiederherstellen?
Aus der bereinigten Datei in der Regel nicht. Das Original mit allen Metadaten existiert aber weiter, oft auch in Cloud-Backups. Lösche es, wenn es nicht mehr gebraucht wird.
Quellen
- PyPImat2 – Metadata Anonymisation Toolkit abgerufen am 20.10.2026
- Electronic Frontier FoundationPrinter Tracking Dots abgerufen am 20.10.2026
- The Hacker NewsReality Winner sentenced (NSA leak case) abgerufen am 20.10.2026
- WikipediaOperation Bayonet (darknet) abgerufen am 20.10.2026
- Freedom of the Press FoundationMetadata 102 abgerufen am 20.10.2026
Redaktion
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Zuletzt aktualisiert am 20. Oktober 2026