FortgeschrittenSicherheit und Anonymität
PGP-Verschlüsselung: eine Einführung
Wie PGP funktioniert: öffentlicher und privater Schlüssel, Verschlüsseln und Signieren, Fingerabdrücke, Programme wie GnuPG – und wo die Grenzen liegen.
Redaktion Darknet KompassAktualisiert am 4 Min. Lesezeit
Das Wichtigste in Kürze
- PGP verschlüsselt und signiert Nachrichten und Dateien mit einem Schlüsselpaar aus öffentlichem und privatem Schlüssel.
- Mit dem öffentlichen Schlüssel einer Person verschlüsselst du; nur ihr privater Schlüssel kann wieder entschlüsseln.
- Signaturen beweisen, dass eine Datei von einem bestimmten Schlüssel stammt und unverändert ist.
- PGP verschlüsselt Inhalte, nicht Metadaten wie Absender, Empfänger und Betreff einer E-Mail.
Inhalt
PGP („Pretty Good Privacy“) ist ein Verfahren, um Nachrichten und Dateien zu verschlüsseln und zu signieren. Jede Person hat ein Schlüsselpaar: einen öffentlichen Schlüssel, den sie frei weitergibt, und einen privaten Schlüssel, den nur sie besitzt. Was mit dem öffentlichen Schlüssel verschlüsselt wurde, kann nur der zugehörige private Schlüssel wieder lesbar machen.
PGP, OpenPGP und GnuPG
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| PGP | Das ursprüngliche Programm, 1991 von Phil Zimmermann veröffentlicht |
| OpenPGP | Der offene Standard dazu; die aktuelle Fassung ist RFC 9580 vom Juli 2024 |
| GnuPG (GPG) | Die verbreitetste freie Software, die OpenPGP umsetzt |
| Kleopatra, GPG Suite, Thunderbird | Programme mit grafischer Oberfläche, die PGP-Funktionen bereitstellen |
Im Alltag sagt man meist einfach „PGP“, auch wenn GnuPG gemeint ist.
Das Prinzip: zwei Schlüssel
Stell dir einen Briefkasten vor: Jeder kann einen Brief durch den Schlitz werfen (öffentlicher Schlüssel), aber nur du hast den Schlüssel zum Öffnen (privater Schlüssel).
- Schlüsselpaar erzeugen: Du erzeugst einmalig ein Paar aus öffentlichem und privatem Schlüssel. Der private Schlüssel wird zusätzlich mit einer Passphrase geschützt.
- Öffentlichen Schlüssel verteilen: Du gibst ihn auf deiner Website, per E-Mail oder über einen Schlüsselserver weiter.
- Verschlüsseln: Wer dir schreiben will, verschlüsselt mit deinem öffentlichen Schlüssel.
- Entschlüsseln: Nur du kannst die Nachricht mit deinem privaten Schlüssel lesen.
Signieren: Echtheit beweisen
Mit dem privaten Schlüssel kannst du eine Nachricht oder Datei auch signieren. Jeder, der deinen öffentlichen Schlüssel hat, kann prüfen:
- dass die Signatur von deinem Schlüssel stammt und
- dass die Datei seit dem Signieren nicht verändert wurde.
Genau so prüfst du zum Beispiel den Download des Tor Browsers. Wie das Schritt für Schritt geht, erklärt PGP-Signaturen prüfen.
Der Fingerabdruck: Woher weiß ich, dass der Schlüssel echt ist?
Die größte Schwachstelle von PGP ist nicht die Mathematik, sondern die Frage: Gehört dieser öffentliche Schlüssel wirklich der Person, die ich meine? Ein Angreifer könnte dir einen eigenen Schlüssel unterschieben.
Deshalb hat jeder Schlüssel einen Fingerabdruck – eine Prüfsumme, bei den heute verbreiteten Schlüsseln 40 Zeichen in hexadezimaler Schreibweise. Der Schlüssel des Tor Browsers hat zum Beispiel den Fingerabdruck EF6E 286D DA85 EA2A 4BA7 DE68 4E2C 6E87 9329 8290. Vergleiche den Fingerabdruck über einen zweiten, unabhängigen Weg: persönlich, am Telefon oder auf der offiziellen Website.
Was PGP schützt – und was nicht
| PGP schützt | PGP schützt nicht |
|---|---|
| Den Inhalt der Nachricht oder Datei | Absender und Empfänger einer E-Mail |
| Die Echtheit (über Signaturen) | Den Betreff einer normalen E-Mail |
| Nachrichten auch dann, wenn ein Server übernommen wird | Zeitpunkt und Häufigkeit der Kommunikation |
| Frühere Nachrichten, wenn der private Schlüssel später gestohlen wird (keine Forward Secrecy) |
Der letzte Punkt ist wichtig: Moderne Messenger wie Signal erzeugen laufend neue Schlüssel, sodass ein gestohlener Schlüssel alte Nachrichten nicht offenlegt. Bei PGP kann jeder, der deinen privaten Schlüssel und alte verschlüsselte Nachrichten erbeutet, alles nachträglich lesen.
Warum PGP im Darknet so verbreitet ist
Auf Darknet-Plattformen gilt PGP als Grundausstattung, weil man den Betreibern nicht trauen kann. Wie berechtigt das ist, zeigte 2017 der Marktplatz Hansa: Die niederländische Polizei übernahm ihn unbemerkt und griff dabei auch Nachrichten ab, die die Plattform automatisch mit PGP verschlüsseln sollte – noch bevor sie verschlüsselt wurden. Geschützt waren nur Inhalte, die Nutzer selbst auf ihrem eigenen Gerät verschlüsselt hatten.
Wo du PGP heute einsetzt
- Downloads prüfen: Signaturen von Software wie Tor Browser, Tails oder VeraCrypt.
- Vertrauliche E-Mail: Mit Thunderbird, das OpenPGP eingebaut hat, oder E-Mail-Diensten mit PGP-Unterstützung.
- Dateien verschlüsseln: Für Archive oder Weitergabe über unsichere Kanäle.
Für alltägliche Chats sind moderne Messenger meist einfacher und sicherer, siehe Sichere Messenger im Überblick. Die Einrichtung von GnuPG beschreibt GnuPG und Kleopatra einrichten.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen PGP, OpenPGP und GnuPG?
PGP war das ursprüngliche Programm von Phil Zimmermann (1991). OpenPGP ist der daraus entstandene offene Standard, aktuell beschrieben in RFC 9580 vom Juli 2024. GnuPG (GPG) ist die verbreitetste freie Software, die diesen Standard umsetzt.
Ist PGP heute noch sicher?
Die Kryptografie gilt bei aktuellen Schlüsseln als sicher. Die Schwächen liegen in der Bedienung: Fehler beim Schlüsselabgleich, unverschlüsselte Metadaten und fehlende Forward Secrecy. Für Chats sind moderne Messenger wie Signal meist die bessere Wahl.
Warum ist PGP im Darknet so verbreitet?
Weil man Plattformen nicht trauen kann. Wer Nachrichten selbst verschlüsselt, schützt sie auch dann, wenn der Server übernommen wird. Bei der Übernahme des Marktplatzes Hansa 2017 las die Polizei Nachrichten, die Nutzer nicht selbst verschlüsselt hatten.
Quellen
- IETF / RFC EditorRFC 9580: OpenPGP abgerufen am 20.10.2026
- Tor Project SupportHow to verify Tor Browser's signature abgerufen am 20.10.2026
- WikipediaOperation Bayonet (darknet) abgerufen am 20.10.2026
- Freedom of the Press FoundationMetadata 102 abgerufen am 20.10.2026
Redaktion
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Zuletzt aktualisiert am 20. Oktober 2026