FortgeschrittenCybercrime und Bedrohungen
Cybercrime in Deutschland: das Lagebild
Wie groß Cybercrime in Deutschland ist: Fälle, Ransomware, DDoS und Phishing laut BKA, Schäden für die Wirtschaft laut Bitkom, Ermittlungserfolge und Trends.
Redaktion Darknet KompassAktualisiert am 3 Min. Lesezeit
Das Wichtigste in Kürze
- Das BKA registrierte 2025 rund 334.000 Cybercrime-Fälle; das Dunkelfeld ist deutlich größer.
- Ransomware-Angriffe stiegen um rund 10 Prozent auf 1.041, DDoS-Angriffe um 25 Prozent auf 36.706.
- Laut Bitkom entstand der Wirtschaft 2026 ein Schaden von mindestens 211 Milliarden Euro, rund 76 Prozent davon durch Cyberangriffe.
- Deutsche Ermittler waren an zahlreichen großen Operationen beteiligt – von Endgame über Talent bis zu Abschaltungen von Darknet-Märkten.
Inhalt
Cyberkriminalität ist in Deutschland ein Massenphänomen. Das Bundeskriminalamt registrierte 2025 rund 334.000 Fälle – und geht davon aus, dass die tatsächliche Zahl wegen vieler nicht angezeigter Taten deutlich höher liegt. Unternehmen beziffern ihre Schäden durch Datendiebstahl, Spionage und Sabotage laut Bitkom auf mindestens 211 Milliarden Euro im Jahr 2026. Gleichzeitig zeigen große Ermittlungserfolge, dass Täter nicht unerreichbar sind.
Die Zahlen des BKA (Bundeslagebild 2025)
| Kennzahl | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|
| Registrierte Cybercrime-Fälle | rund 334.000 | – |
| Ransomware-Angriffe | 1.041 | rund +10 % |
| Gemeldete Lösegeldzahlungen | rund 15,5 Mio. US-Dollar | weniger zahlende Opfer, höhere Einzelbeträge |
| DDoS-Angriffe | 36.706 | +25 % |
| Phishing-Mails (Verbraucherzentrale NRW) | 382.470 | rund −10 % |
Das Bundeslagebild wurde am 12. Mai 2026 vorgestellt. Die wichtigsten Befunde:
- Ransomware trifft vor allem Unternehmen und öffentliche Einrichtungen. Dass weniger Opfer zahlen, führt das BKA auf eine höhere Widerstandsfähigkeit zurück.
- DDoS-Angriffe sind die bevorzugte Methode hacktivistischer Gruppen; besonders betroffen waren Behörden, Verwaltungen sowie Transport und Logistik.
- Künstliche Intelligenz macht Angriffe effizienter und professioneller – hilft aber auch Verteidigern, Schwachstellen früh zu finden.
Eine ausführliche Einordnung bietet Bundeslagebild Cybercrime 2025: die Analyse.
Die Schäden für die Wirtschaft (Bitkom)
| Kennzahl | 2025 | 2026 |
|---|---|---|
| Schaden durch Datendiebstahl, Spionage, Sabotage | 289,2 Mrd. Euro | mindestens 211,0 Mrd. Euro |
| Davon durch Cyberangriffe | rund 70 % | rund 76 % |
| Anteil betroffener Unternehmen | 87 % | 67 % sicher, weitere 29 % vermutlich |
Die Zahlen beruhen auf einer repräsentativen Befragung von rund 1.000 Unternehmen ab zehn Beschäftigten. Der Rückgang der Schadenssumme 2026 ist mit Vorsicht zu lesen: Bitkom nennt für 2026 eine Spanne bis rund 271 Milliarden Euro, wenn auch ein Teil der Unternehmen berücksichtigt wird, die nur vermuten, betroffen zu sein. Als Herkunft der Angriffe nennen Unternehmen am häufigsten Russland und China.
Wichtige Ermittlungserfolge mit deutscher Beteiligung
| Jahr | Operation / Ziel | Ergebnis |
|---|---|---|
| 2022 | Hydra Market | Größter Darknet-Markt abgeschaltet, Server in Deutschland beschlagnahmt |
| 2023 | Kingdom Market, ChipMixer | Darknet-Markt und Bitcoin-Mixer abgeschaltet |
| 2024 | Operation PowerOFF | 27 DDoS-Plattformen abgeschaltet, Festnahmen auch in Deutschland |
| 2024 | Crimenetwork | Größte deutschsprachige kriminelle Plattform abgeschaltet |
| 2025 | Operation Talent | Foren Cracked und Nulled mit rund 10 Mio. Nutzern abgeschaltet, unter Führung des BKA |
| 2025 | Operation Endgame | Rund 300 Server und 650 Domains von Schadsoftware-Netzwerken abgeschaltet, 20 Haftbefehle |
| 2025 | eXch, Archetyp Market | Tauschdienst und einer der größten Drogenmärkte abgeschaltet |
Eine vollständige Zeitleiste der Darknet-Verfahren bietet die Chronik der Darknet-Ermittlungen in Deutschland.
Die Trends
- Professionalisierung: Arbeitsteilige Strukturen mit spezialisierten Dienstleistern.
- Mehr Gruppen, kürzere Lebensdauer: Weltweit zählte GuidePoint Security 2025 eine Rekordzahl von 124 aktiven Ransomware-Gruppen.
- Hacktivismus: Politisch motivierte DDoS-Angriffe auf Behörden und Infrastruktur.
- KI: Glaubwürdigere Phishing-Nachrichten, gefälschte Stimmen und Videos.
- Widerstandsfähigkeit wächst: Weniger Opfer zahlen Lösegeld.
Was daraus folgt
Für Privatpersonen bleiben die wirksamsten Maßnahmen einfach: einzigartige Passwörter, Zwei-Faktor-Authentifizierung, Updates und Misstrauen gegenüber unerwarteten Nachrichten. Für Unternehmen kommen Backups, Notfallpläne und Frühwarnsysteme hinzu. Wie die Bedrohungen im Einzelnen funktionieren, erklärt der Bereich Cybercrime.
Häufige Fragen
Warum gibt es so große Unterschiede zwischen den Zahlen?
Die BKA-Zahlen erfassen angezeigte und bekannt gewordene Fälle, die Bitkom-Zahlen beruhen auf einer Befragung von Unternehmen zu erlittenen Schäden. Viele Taten werden nie angezeigt, und Schäden sind schwer zu beziffern. Beide Quellen ergänzen sich.
Wer steckt hinter den Angriffen?
Neben profitorientierten Kriminellen auch staatlich gesteuerte Akteure und politisch motivierte Gruppen. In der Bitkom-Befragung werden Russland und China am häufigsten als Herkunft von Angriffen genannt; DDoS-Angriffe gehen laut BKA häufig von hacktivistischen Gruppen aus.
Wo zeigt man Cybercrime an?
Bei jeder Polizeidienststelle oder über die Onlinewachen der Länder. Unternehmen wenden sich an die Zentralen Ansprechstellen Cybercrime (ZAC) der Landeskriminalämter.
Quellen
- BundesregierungBundeslagebild Cybercrime 2025: Internetkriminalität auf hohem Niveau abgerufen am 20.10.2026
- BitkomWirtschaftsschutz 2026 – Präsentation abgerufen am 20.10.2026
- BitkomWirtschaftsschutz und Cybercrime 2025 – Pressekonferenz abgerufen am 20.10.2026
- eucrimOperation ENDGAME Targets Initial Access Malware abgerufen am 20.10.2026
- Infosecurity MagazineInternational Operation Dismantles Cracked and Nulled Cybercrime Hubs abgerufen am 20.10.2026
- Security AffairsOperation PowerOFF took down 27 DDoS platforms across 15 countries abgerufen am 20.10.2026
Redaktion
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Zuletzt aktualisiert am 20. Oktober 2026