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Chronik: Darknet-Ermittlungen in Deutschland
Von Wall Street Market bis Archetyp: die wichtigsten Darknet-Ermittlungen deutscher Behörden seit 2019 als Zeitleiste – mit BKA und ZIT Frankfurt.
Redaktion Darknet KompassAktualisiert am 3 Min. Lesezeit
Das Wichtigste in Kürze
- Deutsche Behörden gehören weltweit zu den aktivsten Ermittlern gegen Darknet-Plattformen.
- Zentral sind das Bundeskriminalamt und die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt.
- Zu den wichtigsten Verfahren gehören Wall Street Market, DarkMarket, Hydra, Kingdom, Nemesis, Crimenetwork und Archetyp.
- Häufiger Ansatzpunkt: Server, die in Deutschland oder bei europäischen Partnern gehostet wurden.
Inhalt
Deutschland gehört zu den aktivsten Ländern im Kampf gegen kriminelle Plattformen im Darknet. Federführend sind meist das Bundeskriminalamt (BKA) und die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main, daneben Cybercrime-Zentralstellen der Länder. Diese Chronik fasst die wichtigsten Verfahren seit 2019 zusammen.
Die Chronik
| Datum | Verfahren | Behörden | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| April/Mai 2019 | Wall Street Market | BKA, ZIT | Drei deutsche Betreiber festgenommen; 2021 Urteile bis 7 Jahre 9 Monate |
| Mai 2019 | Crimenetwork (erste Festnahme) | BKA | Festnahme eines Betreibers; die Plattform läuft weiter |
| September 2019 | CyberBunker Traben-Trarbach | LKA Rheinland-Pfalz, Generalstaatsanwaltschaft Koblenz | Rechenzentrum für kriminelle Kunden durchsucht |
| Januar 2021 | DarkMarket | Generalstaatsanwaltschaft Koblenz, ZKI Oldenburg | Betreiber an der deutsch-dänischen Grenze festgenommen; fast 500.000 Nutzer, über 140 Mio. Euro Volumen |
| Mai 2021 | Boystown | BKA, ZIT | Plattform für Missbrauchsdarstellungen mit über 400.000 Mitgliedern abgeschaltet; vier Festnahmen |
| Dezember 2021 | Monopoly Market | Deutsche Ermittler | Infrastruktur sichergestellt; Grundlage für Operation SpecTor 2023 |
| April 2022 | Hydra Market | BKA, ZIT | Größter Darknet-Markt der Welt abgeschaltet; 543 Bitcoin sichergestellt |
| März 2023 | ChipMixer | Deutsche und US-Behörden | Bitcoin-Mixer abgeschaltet; rund 44 Mio. Euro in Bitcoin sichergestellt |
| Dezember 2023 | Kingdom Market | BKA, ZIT | Markt abgeschaltet; Administrator in den USA festgenommen und 2026 verurteilt |
| März 2024 | Nemesis Market | BKA, ZIT | Infrastruktur in Deutschland und Litauen beschlagnahmt; über 150.000 Nutzerkonten |
| Dezember 2024 | Crimenetwork | BKA, ZIT | Größte deutschsprachige Plattform abgeschaltet; 2026 Urteil 7 Jahre 10 Monate |
| Dezember 2024 | Operation PowerOFF | Europol, u. a. deutsche Behörden | 27 DDoS-Plattformen abgeschaltet, Festnahmen auch in Deutschland |
| Januar 2025 | Operation Talent (Cracked, Nulled) | BKA mit Europol und Partnern | Foren mit rund 10 Mio. Nutzern abgeschaltet |
| März 2025 | Garantex | USA, Deutschland, Finnland | Kryptobörse abgeschaltet, Server sichergestellt |
| April 2025 | eXch | BKA | Tauschdienst abgeschaltet; rund 34 Mio. Euro sichergestellt |
| Mai 2024 und Mai 2025 | Operation Endgame | u. a. Deutschland, Frankreich, Niederlande | Hunderte Server von Schadsoftware-Netzwerken abgeschaltet |
| Juni 2025 | Archetyp Market | BKA, Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt | Mutmaßlicher Administrator in Barcelona festgenommen |
| Mai 2026 | Dream Market | Deutsche und US-Behörden | Mutmaßlicher Hauptadministrator in Deutschland festgenommen |
Was die Verfahren gemeinsam haben
- Serverstandorte als Ansatzpunkt: Bei Wall Street Market, Hydra und Nemesis standen Server in Deutschland; bei Archetyp in den Niederlanden.
- Internationale Zusammenarbeit: Fast alle großen Verfahren liefen mit Europol, US-Behörden und weiteren Partnern.
- Daten als Langzeitwirkung: Beschlagnahmte Datenbanken führen oft Jahre später zu weiteren Verfahren gegen Händler und Kunden.
- Vermögen wird eingezogen: Beim Wall Street Market brachte die Verwertung sichergestellter Kryptowährung rund 100 Mio. Euro ein.
Die rechtliche Grundlage
Viele frühere Verfahren stützten sich auf das Betäubungsmittelrecht und auf Beihilfe zu Straftaten der Nutzer. Seit dem 1. Oktober 2021 macht § 127 StGB das Betreiben krimineller Handelsplattformen selbst strafbar. Siehe § 127 StGB: kriminelle Handelsplattformen.
Internationale Operationen insgesamt beschreibt Polizeioperationen gegen Darknet-Märkte. Für alle Beschuldigten ohne rechtskräftiges Urteil gilt die Unschuldsvermutung.
Häufige Fragen
Warum ist Deutschland so aktiv?
Wegen spezialisierter Strukturen wie der ZIT in Frankfurt und Cybercrime-Zentralstellen der Länder, wegen enger internationaler Zusammenarbeit und weil viele Plattformen Server in Deutschland nutzten oder deutsche Kunden und Händler hatten. Seit 2021 gibt zudem § 127 StGB einen eigenen Straftatbestand gegen Plattformbetreiber.
Was ist die ZIT?
Die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main. Sie führt große, oft internationale Verfahren gegen Internetkriminalität, häufig gemeinsam mit dem BKA.
Werden nach solchen Aktionen auch Käufer verfolgt?
Häufig ja. Beschlagnahmte Datenbanken werden ausgewertet und führen zu Verfahren gegen Händler und Kunden – teils Jahre später.
Quellen
- WikipediaWall Street Market abgerufen am 20.10.2026
- Legal Tribune OnlineDarknet-Plattform: Ermittler heben riesigen illegalen Marktplatz im Internet aus abgerufen am 20.10.2026
- ComputerBaseBOYSTOWN: BKA schließt kinderpornografische Plattform im Darknet abgerufen am 20.10.2026
- ComputerBaseHydra Market: BKA schaltet den weltgrößten Marktplatz im Darknet ab abgerufen am 20.10.2026
- BleepingComputerDarknet marketplace Nemesis Market seized by German police abgerufen am 20.10.2026
- BleepingComputerGerman police takes down Kingdom Market cybercrime marketplace abgerufen am 20.10.2026
- hessenschauDrogen, Fälschungen, gestohlene Daten: Mutmaßlicher Betreiber von Onlineplattform ‚Crimenetwork‘ festgenommen abgerufen am 20.10.2026
- Infosecurity MagazineArchetyp Market Shut Down in Europe-wide Law Enforcement Operation abgerufen am 20.10.2026
Redaktion
Die Redaktion recherchiert, schreibt und prüft alle Inhalte nach den veröffentlichten Redaktionsgrundsätzen. Jeder Artikel nennt seine Quellen.
Zuletzt aktualisiert am 20. Oktober 2026