FortgeschrittenCybercrime und Bedrohungen
Ransomware-Gruppen erklärt
Wie Ransomware-Gruppen organisiert sind, was doppelte Erpressung und Leak-Seiten bedeuten, welche Gruppen 2025 aktiv waren und wie sich Unternehmen schützen.
Redaktion Darknet KompassAktualisiert am 3 Min. Lesezeit
Das Wichtigste in Kürze
- Ransomware-Gruppen verschlüsseln und stehlen Daten von Organisationen und verlangen Lösegeld, meist in Kryptowährung.
- Viele arbeiten nach dem Modell Ransomware-as-a-Service: Entwickler stellen die Schadsoftware, Partner führen die Angriffe durch und teilen den Erlös.
- 2025 beobachtete GuidePoint 124 aktive Gruppen – ein Rekord; am aktivsten war Qilin mit über 1.000 veröffentlichten Opfern.
- In Deutschland registrierte das BKA 2025 1.041 Angriffe; gute Backups, schnelle Updates und Zwei-Faktor-Schutz sind die wichtigsten Gegenmittel.
Inhalt
Ransomware-Gruppen sind kriminelle Organisationen, die Daten von Unternehmen, Behörden und Einrichtungen verschlüsseln oder stehlen und für die Freigabe Lösegeld verlangen. Sie gehören zu den gefährlichsten Akteuren der Cyberkriminalität: Ihre Angriffe legen Krankenhäuser, Verwaltungen und Fabriken lahm. Das Darknet dient ihnen als Verhandlungsraum und Pranger.
Wie Ransomware-Gruppen organisiert sind
Viele Gruppen arbeiten nach dem Modell Ransomware-as-a-Service (RaaS):
| Rolle | Aufgabe |
|---|---|
| Betreiber | Entwickeln die Schadsoftware, betreiben Verhandlungs- und Leak-Seiten |
| Partner („Affiliates“) | Dringen in Netzwerke ein und führen die Angriffe aus |
| Zwischenhändler | Verkaufen Zugänge zu bereits kompromittierten Netzwerken |
| Dienstleister | Geldwäsche, Hosting, Verhandlung |
Der Erlös wird zwischen Betreibern und Partnern aufgeteilt. Dieses Modell macht Gruppen flexibel: Wird eine Marke zerschlagen, wechseln Partner zu einer anderen.
Doppelte Erpressung und Leak-Seiten
Früher verschlüsselten Ransomware-Gruppen nur Daten. Heute stehlen die meisten sie zusätzlich und drohen mit der Veröffentlichung – die doppelte Erpressung. Dafür betreiben sie Leak-Seiten im Tor-Netzwerk, auf denen Opfer mit Countdown aufgelistet und Daten veröffentlicht werden, wenn nicht gezahlt wird. Manche Gruppen verzichten inzwischen ganz auf Verschlüsselung und setzen nur noch auf Datendiebstahl.
Die Lage 2025
| Kennzahl | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Aktive Gruppen weltweit | 124 (+46 %, Rekord) | GuidePoint Security |
| Aktivste Gruppe | Qilin mit über 1.000 veröffentlichten Opfern | GuidePoint Security |
| Anteil zahlender Opfer | 28 % (Rekordtief) | Chainalysis |
| Lösegeldzahlungen weltweit | mind. rund 820 Mio. US-Dollar | Chainalysis |
| Angriffe in Deutschland | 1.041 (+10 %) | BKA |
Neben Qilin waren 2025 unter anderem Akira, die laut GuidePoint massenhaft Schwachstellen in VPN-Geräten ausnutzte, und Clop besonders aktiv, die gezielt Lücken in weit verbreiteter Unternehmenssoftware ausnutzte. Viele Gruppen sind kurzlebig, benennen sich um oder zerfallen. Die Zahlungsseite erklärt Ransomware-Zahlungen in Kryptowährung.
Wie Ermittler zurückschlagen
- Operation Cronos (2024): Internationale Behörden übernahmen die Infrastruktur von LockBit, einer der damals größten Gruppen. Siehe LockBit und Operation Cronos.
- Operation Endgame (seit 2024): Unter Beteiligung von BKA und ZIT wurden Schadsoftware-Netzwerke zerschlagen, die als Türöffner für Ransomware dienten – im Mai 2025 rund 300 Server und 650 Domains, 20 Haftbefehle. Siehe Operation Endgame erklärt.
- Geldwäsche-Infrastruktur: Die Abschaltung von Mixern und Tauschdiensten erschwert es Gruppen, Lösegeld zu nutzen.
Wie sich Unternehmen schützen
- Backups: Regelmäßig, getrennt vom Netzwerk (offline oder unveränderbar), und regelmäßig getestet.
- Updates: Besonders Geräte am Netzrand wie VPN-Zugänge und Firewalls schnell patchen.
- Zwei-Faktor-Authentifizierung für alle Fernzugänge und Administratorkonten.
- Zugangsdaten überwachen: Darknet-Monitoring zeigt, ob Firmenzugänge gehandelt werden. Siehe Darknet-Monitoring für Unternehmen.
- Notfallplan: Wer was tut, wer informiert wird, wie Systeme wiederhergestellt werden – vorher festlegen und üben.
- Mitarbeitende schulen, vor allem zu Phishing.
Was im Ernstfall zu tun ist
Betroffene Systeme vom Netz trennen, aber nicht ausschalten, um Spuren zu erhalten. Polizei und spezialisierte Dienstleister einschalten und Meldepflichten prüfen. BKA und BSI raten von Zahlungen ab: Sie finanzieren weitere Angriffe und garantieren weder die Entschlüsselung noch die Löschung gestohlener Daten.
Häufige Fragen
Warum veröffentlichen Ransomware-Gruppen Daten im Darknet?
Als Druckmittel. Viele Gruppen stehlen Daten, bevor sie verschlüsseln. Zahlt das Opfer nicht, werden die Daten auf einer Leak-Seite im Tor-Netzwerk veröffentlicht. Das soll auch Opfer mit guten Backups zur Zahlung bewegen.
Wie gelangen Ransomware-Gruppen in Netzwerke?
Häufig über gestohlene Zugangsdaten, ungepatchte Sicherheitslücken in Geräten am Netzrand wie VPN-Zugängen, Phishing oder gekaufte Zugänge von Zwischenhändlern.
Was tun, wenn das eigene Unternehmen betroffen ist?
Betroffene Systeme vom Netz trennen, nicht ausschalten, Polizei und Fachleute einschalten – zuständig sind die Zentralen Ansprechstellen Cybercrime der Länder – und Meldepflichten etwa nach der DSGVO prüfen. Das BSI und die Polizei raten von Lösegeldzahlungen ab.
Quellen
- GuidePoint SecurityRansomware groups in 2025: GRIT 2026 Ransomware & Cyber Threat Report abgerufen am 20.10.2026
- BundesregierungBundeslagebild Cybercrime 2025: Internetkriminalität auf hohem Niveau abgerufen am 20.10.2026
- BleepingComputer (zu Chainalysis)Ransomware payment rate drops to record low despite attack surge abgerufen am 20.10.2026
- eucrimOperation ENDGAME Targets Initial Access Malware abgerufen am 20.10.2026
Redaktion
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Zuletzt aktualisiert am 20. Oktober 2026