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Krypto-Beschlagnahmungen: bekannte Fälle

Von Silk Road über Sachsens 50.000 Bitcoin bis zur 15-Milliarden-Beschlagnahmung 2025: die größten Krypto-Beschlagnahmungen und was mit dem Geld passiert.

Redaktion Darknet KompassAktualisiert am 4 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Behörden haben in den vergangenen Jahren Kryptowährung im Wert vieler Milliarden beschlagnahmt – oft dank Blockchain-Analyse.
  • Die größte Beschlagnahmung der US-Justiz betraf im Oktober 2025 rund 127.000 Bitcoin, etwa 15 Milliarden US-Dollar, aus einem Betrugsnetzwerk.
  • Sachsen verkaufte im Juni und Juli 2024 knapp 50.000 Bitcoin aus dem Fall movie2k für rund 2,6 Milliarden Euro.
  • Beim Wall Street Market wuchsen sichergestellte 16 Millionen Euro bis zur Verwertung auf rund 100 Millionen.
Inhalt

Kryptowährung ist schwer zu beschlagnahmen – aber nicht unmöglich. Behörden haben in den vergangenen Jahren Bitcoin im Wert vieler Milliarden sichergestellt: von den Servern von Silk Road über Darknet-Märkte und Geldwäschedienste bis zu internationalen Betrugsnetzwerken. Deutschland spielt dabei eine große Rolle, nicht zuletzt durch den Verkauf von knapp 50.000 Bitcoin durch Sachsen im Jahr 2024.

Die größten Fälle

JahrFallMengeWert (ungefähr)
2013/2014Silk Road, Serverrund 30.000 Bitcoin, 2014 versteigertdamals rund 18 Mio. US-Dollar
2020Silk Road, von einem Hacker abgezweigte Bitcoinrund 69.000 Bitcoindamals rund 1 Mrd. US-Dollar
2022Silk Road, 2012 gestohlene Bitcoinrund 50.000 Bitcoindamals über 3 Mrd. US-Dollar
2022Hydra Market (BKA)543 Bitcoinrund 23 Mio. Euro
2023ChipMixer (deutsche und US-Behörden)rund 1.909 Bitcoinrund 44 Mio. Euro
2024movie2k, Verkauf durch Sachsenknapp 50.000 Bitcoinrund 2,6 Mrd. Euro Erlös
2025eXch (BKA)verschiedene Kryptowährungenrund 34 Mio. Euro
2025Prince Group (US-Justiz)rund 127.000 Bitcoinrund 15 Mrd. US-Dollar

Sachsen und movie2k

Der bekannteste deutsche Fall stammt aus dem Verfahren um die frühere illegale Streamingplattform movie2k. Die sächsischen Ermittler stellten dabei knapp 50.000 Bitcoin sicher. Zwischen dem 19. Juni und dem 12. Juli 2024 verkaufte der Freistaat sie für rund 2,6 Milliarden Euro. Nach Angaben der Behörden war der Verkauf rechtlich geboten, weil vor Abschluss des Verfahrens ein erheblicher Wertverlust drohte – eine sogenannte Notveräußerung. Die Verkäufe wurden weltweit an den Märkten beobachtet; Kritiker bemängelten später, dass der Bitcoin-Kurs nach dem Verkauf deutlich stieg.

Prince Group: die größte Beschlagnahmung der US-Justiz

Im Oktober 2025 gaben die USA und Großbritannien koordinierte Maßnahmen gegen die Prince Group bekannt, ein Netzwerk, dem Betrugsfabriken in Südostasien zugerechnet werden. Die US-Justiz leitete die Einziehung von rund 127.271 Bitcoin im Wert von etwa 15 Milliarden US-Dollar ein – nach eigenen Angaben ihre bislang größte. Laut Elliptic stammten die Bitcoin ursprünglich aus einem Diebstahl von 2020 bei einem Bitcoin-Mining-Unternehmen. Der Vorsitzende der Gruppe wurde angeklagt, ist aber flüchtig. Mehr zu dieser Betrugsform: Krypto-Betrug erkennen.

Darknet-Märkte

Auch Darknet-Verfahren haben große Summen eingebracht:

  • Wall Street Market: Bis Ende Juni 2019 stellten deutsche Behörden Kryptowährung im damaligen Wert von rund 16 Millionen Euro sicher. Bis zur Verwertung stieg der Wert auf rund 100 Millionen Euro, die in den hessischen Landeshaushalt flossen. Siehe Wall Street Market: der deutsche Fall.
  • Crimenetwork: Nach dem Urteil im März 2026 wurden rund 12 Millionen Euro eingezogen, darunter Kryptowährung, Silberbarren, Autos und eine Wohnung in Dubai.
  • Dream Market: Bei der Festnahme eines mutmaßlichen Administrators 2026 wurden Goldbarren im Wert von rund 1,7 Millionen US-Dollar sichergestellt, die mit Erlösen des Markts gekauft worden sein sollen. Siehe Dream Market.

Wie Beschlagnahmungen gelingen

  1. Blockchain-Analyse zeigt, wo das Geld liegt. Siehe Blockchain-Analyse erklärt.
  2. Geräte und Backups: Bei Durchsuchungen gefundene Laptops, Wallets und Notizen mit Seed-Phrasen.
  3. Entsperrte Geräte: Bei Silk Road und AlphaBay waren die Laptops der Betreiber bei der Festnahme geöffnet.
  4. Börsen: Regulierte Anbieter frieren Guthaben auf Anordnung ein.
  5. Kooperation: Beschuldigte geben Schlüssel heraus, oft gegen Strafmilderung – wie die Betreiber des Wall Street Market.

Was mit dem Geld passiert

In Deutschland wird beschlagnahmte Kryptowährung gesichert und nach einem rechtskräftigen Urteil eingezogen und verwertet; bei drohendem Wertverlust ist ein früherer Verkauf möglich. Stehen Opfern Ansprüche zu, etwa bei Betrug oder Hacks, gehen diese vor. In den USA werden beschlagnahmte Bitcoin teils versteigert, teils gehalten.

Einordnung

Die Fälle zeigen, wie trügerisch das Bild von unauffindbarem Kryptogeld ist. Wer Kryptowährung aus Straftaten besitzt, muss damit rechnen, dass Ermittler sie Jahre später finden – wie bei den Bitcoin aus Silk Road, die teils erst sieben bis neun Jahre nach der Tat sichergestellt wurden.

Häufige Fragen

Was passiert mit beschlagnahmter Kryptowährung in Deutschland?

Sie wird gesichert und nach rechtskräftigem Urteil eingezogen und verwertet. Wenn ein erheblicher Wertverlust droht, kann sie schon vorher verkauft werden (Notveräußerung). Der Erlös steht dem Staat zu, soweit er nicht Opfern zusteht.

Warum hat Sachsen die Bitcoin so schnell verkauft?

Nach Angaben der Behörden war der Verkauf rechtlich vorgeschrieben, weil vor Abschluss des Strafverfahrens ein erheblicher Wertverlust drohte. Kritiker hielten den Zeitpunkt für ungünstig, weil der Bitcoin-Kurs später stieg.

Wie kommen Behörden an die Schlüssel?

Meist über beschlagnahmte Geräte, Backups oder die Kooperation von Beschuldigten, teils über Börsen, die Guthaben einfrieren. Ohne Zugriff auf die Schlüssel lässt sich Kryptowährung nicht übertragen.

Quellen

  1. EllipticPrince Group targeted with $15B crypto seizure and sanctions for pig butchering operations abgerufen am 20.10.2026
  2. The BlockGerman government's bitcoin selloff nets $2.9 billion as film piracy case marches on abgerufen am 20.10.2026
  3. ZDFheuteBitcoin: Krypto-Milliarden in Sachsen – Worum es vor Gericht geht abgerufen am 20.10.2026
  4. WikipediaSilk Road (marketplace) abgerufen am 20.10.2026
  5. eucrimChipMixer Taken Down abgerufen am 20.10.2026
  6. WikipediaWall Street Market abgerufen am 20.10.2026
  7. The Hacker NewsGermany shuts down eXch over $1.9B laundering abgerufen am 20.10.2026

Redaktion Darknet Kompass

Redaktion

Die Redaktion recherchiert, schreibt und prüft alle Inhalte nach den veröffentlichten Redaktionsgrundsätzen. Jeder Artikel nennt seine Quellen.

Zuletzt aktualisiert am 20. Oktober 2026

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