EinsteigerCybercrime und Bedrohungen
Was tun nach einem Datenleak?
Deine Daten wurden geleakt? Die Checkliste: Passwörter ändern, Konten absichern, Bank informieren, Phishing erkennen und deine Rechte nach der DSGVO nutzen.
Redaktion Darknet KompassAktualisiert am 3 Min. Lesezeit
Das Wichtigste in Kürze
- Ändere sofort das Passwort beim betroffenen Dienst – und überall, wo du dasselbe Passwort verwendest.
- Aktiviere Zwei-Faktor-Authentifizierung, prüfe Bank und Karten und rechne mit gezieltem Phishing.
- Unternehmen müssen Betroffene informieren, wenn ein hohes Risiko besteht; du kannst Auskunft verlangen.
- Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs kann schon der Kontrollverlust über Daten einen Schadensersatzanspruch begründen.
Inhalt
Wenn deine Daten in einem Leak aufgetaucht sind, zählt vor allem eines: schnell handeln. Die meisten Schäden entstehen nicht durch den Leak selbst, sondern dadurch, dass Kriminelle die Daten danach nutzen – für Anmeldungen bei anderen Diensten, Betrug und gezieltes Phishing. Mit dieser Checkliste begrenzt du das Risiko.
Die Sofort-Checkliste
- Passwort ändern beim betroffenen Dienst.
- Wiederverwendete Passwörter ersetzen: Überall, wo du dasselbe oder ein ähnliches Passwort genutzt hast. Das ist der wichtigste Schritt, denn Kriminelle probieren geleakte Passwörter automatisch bei vielen Diensten aus. Siehe Credential Stuffing erklärt.
- Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren, vor allem für E-Mail, Online-Banking, Shopping und soziale Netzwerke. Siehe Zwei-Faktor-Authentifizierung.
- Angemeldete Geräte und Sitzungen prüfen und unbekannte abmelden.
- E-Mail-Postfach absichern: Wer dein Postfach kontrolliert, kann viele andere Passwörter zurücksetzen.
Je nach Datenart
| Betroffene Daten | Zusätzliche Schritte |
|---|---|
| Kreditkarte | Karte bei der Bank sperren lassen, Abrechnungen prüfen |
| Bankverbindung (IBAN) | Kontoauszüge auf unbekannte Lastschriften prüfen; Lastschriften lassen sich in der Regel acht Wochen lang zurückbuchen |
| Telefonnummer | Vorsicht bei SMS und Anrufen, die nach Codes fragen; beim Mobilfunkanbieter eine Sperre gegen ungewollte SIM-Wechsel erfragen |
| Adresse, Geburtsdatum | Auf unbekannte Bestellungen, Rechnungen und Mahnungen achten |
| Ausweisdaten | Wachsam bleiben, bei Missbrauch Anzeige erstatten; bei Diebstahl des Ausweises selbst diesen sperren lassen |
| Gesundheitsdaten, sensible Daten | Rechte beim Unternehmen geltend machen, bei Erpressungsversuchen Polizei einschalten |
In den Wochen danach
- Phishing erwarten: Betrüger nutzen bekannte Leaks für glaubwürdige Nachrichten – angebliche Sicherheitswarnungen, Rückerstattungen oder Entschädigungen. Links in solchen Nachrichten nicht anklicken.
- Konten beobachten: Benachrichtigungen über neue Anmeldungen ernst nehmen.
- Schufa-Selbstauskunft: Bei Verdacht auf Identitätsmissbrauch kostenlos eine Datenkopie nach Art. 15 DSGVO anfordern. Siehe Identitätsdiebstahl: Ablauf und Schutz.
Deine Rechte nach der DSGVO
| Recht | Was es bedeutet |
|---|---|
| Benachrichtigung (Art. 34) | Unternehmen müssen Betroffene informieren, wenn der Leak voraussichtlich ein hohes Risiko für sie bedeutet |
| Auskunft (Art. 15) | Du kannst erfahren, welche Daten über dich gespeichert sind und welche betroffen waren |
| Löschung (Art. 17) | Du kannst unter Umständen verlangen, dass Daten gelöscht werden |
| Beschwerde (Art. 77) | Du kannst dich bei der Datenschutzaufsichtsbehörde beschweren |
| Schadensersatz (Art. 82) | Du kannst Ersatz für materielle und immaterielle Schäden verlangen |
Der Bundesgerichtshof entschied im November 2024 in einem Leitentscheid zu einem Datenleck bei Facebook, dass schon der bloße Verlust der Kontrolle über die eigenen Daten ein immaterieller Schaden sein kann – ohne dass weitere Nachteile nachgewiesen werden müssen. Im entschiedenen Fall hielt das Gericht einen Betrag von 100 Euro für angemessen. Ob sich eine Klage lohnt, hängt vom Einzelfall ab; Verbraucherzentralen beraten dazu.
Vorbeugen für den nächsten Leak
- Für jedes Konto ein eigenes Passwort – ein Passwortmanager macht das einfach. Siehe Sichere Passwörter und Passwortmanager.
- Passkeys nutzen, wo Dienste sie anbieten.
- Datensparsam sein: nur Pflichtangaben machen, alte Konten löschen.
- Leak-Benachrichtigungen einrichten, etwa bei Have I Been Pwned oder im Passwortmanager. Siehe Prüfen, ob deine Daten im Darknet sind.
Häufige Fragen
Woher weiß ich, welche Daten betroffen sind?
Aus der Benachrichtigung des Unternehmens oder durch eine Auskunft nach Art. 15 DSGVO. Leak-Checker wie der HPI Identity Leak Checker oder Have I Been Pwned zeigen zusätzlich, in welchen bekannten Leaks deine E-Mail-Adresse vorkommt.
Habe ich Anspruch auf Schadensersatz?
Möglicherweise. Nach Art. 82 DSGVO haften Unternehmen für Schäden durch Datenschutzverstöße. Der Bundesgerichtshof hat 2024 entschieden, dass schon der Verlust der Kontrolle über die eigenen Daten ein immaterieller Schaden sein kann. Die zugesprochenen Beträge sind aber oft gering.
Soll ich auf E-Mails reagieren, die sich auf den Leak beziehen?
Vorsichtig. Betrüger nutzen bekannte Leaks für Phishing, etwa mit angeblichen Sicherheitswarnungen oder Entschädigungsangeboten. Rufe Websites nur über deine Lesezeichen auf und klicke keine Links in solchen Nachrichten.
Quellen
- Verbraucherzentrale NRWSo finden Sie heraus, ob Ihre Login-Daten gestohlen wurden abgerufen am 20.10.2026
- CMS Hasche SigleUpdate: BGH-Entscheidung zum DSGVO-Schadensersatz (VI ZR 10/24) abgerufen am 20.10.2026
- EUR-LexVerordnung (EU) 2016/679 (Datenschutz-Grundverordnung) abgerufen am 20.10.2026
Redaktion
Die Redaktion recherchiert, schreibt und prüft alle Inhalte nach den veröffentlichten Redaktionsgrundsätzen. Jeder Artikel nennt seine Quellen.
Zuletzt aktualisiert am 20. Oktober 2026