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Onion-Adressen erklärt
Was ist eine Onion-Adresse, warum ist sie 56 Zeichen lang und wie erkennst du gefälschte Kopien? Aufbau, Funktion und Sicherheit einfach erklärt.
Redaktion Darknet KompassAktualisiert am 4 Min. Lesezeit
Das Wichtigste in Kürze
- Onion-Adressen enden auf .onion und funktionieren nur im Tor-Netzwerk.
- Heutige Adressen (Version 3) bestehen aus 56 Zeichen: Sie sind der öffentliche Schlüssel des Dienstes in kodierter Form.
- Weil die Adresse selbst der Schlüssel ist, kann niemand eine echte Adresse übernehmen – aber Betrüger erstellen leicht verwechselbare Kopien.
- Prüfe Onion-Adressen immer über eine vertrauenswürdige Quelle, etwa die offizielle Website des Anbieters.
Inhalt
Eine Onion-Adresse ist die Adresse einer Website im Tor-Netzwerk. Sie endet auf .onion, besteht heute aus 56 scheinbar zufälligen Zeichen und lässt sich nur mit Tor-Software wie dem Tor Browser aufrufen. Das Besondere: Die Adresse ist gleichzeitig der kryptografische Schlüssel des Dienstes.
So sieht eine Onion-Adresse aus
Eine heutige Onion-Adresse der Version 3 hat immer dieses Format:
[56 Zeichen aus a–z und 2–7].onion
Sie besteht nur aus Kleinbuchstaben und den Ziffern 2 bis 7, weil sie im sogenannten Base32-Verfahren kodiert ist. Groß- und Kleinschreibung spielt keine Rolle, Leerzeichen oder Bindestriche gibt es nicht.
Ältere Adressen der Version 2 hatten nur 16 Zeichen. Die BBC startete 2019 zum Beispiel mit bbcnewsv2vjtpsuy.onion. Solche v2-Adressen wurden 2021 abgeschaltet, weil ihre Kryptografie nicht mehr zeitgemäß war. Siehst du heute irgendwo eine 16-stellige Onion-Adresse, ist sie veraltet.
Die Adresse ist der Schlüssel
Bei normalen Websites kaufst du eine Domain bei einer Registrierungsstelle, und ein zentrales System – das Domain Name System (DNS) – übersetzt sie in die IP-Adresse des Servers. Bei Onion-Adressen gibt es weder Registrierungsstelle noch DNS. Stattdessen:
- Der Betreiber erzeugt auf seinem Server ein Schlüsselpaar aus privatem und öffentlichem Schlüssel.
- Aus dem öffentlichen Schlüssel (32 Byte), einer Prüfsumme (2 Byte) und einer Versionsnummer (1 Byte) entsteht die Adresse. Diese 35 Byte ergeben in Base32-Kodierung genau 56 Zeichen.
- Wer die Adresse aufruft, erhält vom Dienst eine Beschreibung, die mit dem privaten Schlüssel signiert ist. Der Tor Browser prüft die Signatur gegen den Schlüssel in der Adresse.
Daraus folgen zwei wichtige Eigenschaften:
- Niemand kann eine Onion-Adresse kapern. Ohne den privaten Schlüssel lässt sich keine gültige Signatur erzeugen. Es gibt kein DNS, das man manipulieren könnte.
- Niemand kann sich eine bestimmte Adresse aussuchen. Die Adresse ergibt sich aus dem Schlüssel. Wer möchte, dass sie mit einem lesbaren Wort beginnt, muss sehr viele Schlüssel erzeugen, bis zufällig einer passt. Bei längeren Wörtern wird das extrem aufwendig.
Diese lesbaren Anfänge nennt man Vanity-Adressen. Viele bekannte Anbieter nutzen sie, damit ihre Adresse leichter wiederzuerkennen ist – wie das „bbcnews“ in der früheren Adresse der BBC.
Wie eine Onion-Adresse aufgerufen wird
Wenn du eine Onion-Adresse in den Tor Browser eingibst, sucht er im Tor-Netzwerk nach der passenden Beschreibung des Dienstes, verabredet über einen Einführungspunkt einen Treffpunkt und baut eine Verbindung über insgesamt sechs Relays auf. Dabei bleibt sowohl dein Standort als auch der des Servers verborgen. Die Verbindung ist durchgehend verschlüsselt. Ausführlich erklärt das der Artikel Wie funktioniert das Darknet technisch?.
„.onion available“: der automatische Hinweis
Viele seriöse Websites bieten neben ihrer normalen Adresse eine Onion-Version an. Damit Nutzer sie finden, können Betreiber einen technischen Hinweis namens Onion-Location mitsenden. Der Tor Browser zeigt dann in der Adressleiste die Schaltfläche „.onion available“. Ein Klick führt zur Onion-Version derselben Seite.
Das ist der sicherste Weg, eine Onion-Adresse zu finden: Du startest bei der dir bekannten, offiziellen Clearnet-Adresse und lässt dich von dort weiterleiten.
Die größte Gefahr: gefälschte Kopien
Weil Onion-Adressen für Menschen kaum lesbar sind, vergleichen viele nur den Anfang und das Ende. Genau das nutzen Betrüger aus: Sie erzeugen Adressen, die mit denselben Zeichen beginnen und ähnlich enden, und bauen damit exakte Kopien bekannter Seiten. Wer sich dort anmeldet oder Geld überweist, landet bei den Betrügern.
Mehr dazu im Artikel Phishing im Darknet erkennen.
Warum es kein Verzeichnis aller Onion-Adressen gibt
Onion-Dienste müssen sich nirgends anmelden. Ihre Adressen werden nur dort bekannt, wo die Betreiber sie selbst veröffentlichen. Seit Version 3 lassen sich Adressen auch nicht mehr aus dem Tor-Netzwerk heraus sammeln. Deshalb gibt es kein vollständiges Verzeichnis, und Onion-Suchmaschinen finden nur einen Teil der Dienste. Welche Risiken öffentliche Linklisten bergen, erklärt der Artikel Onion-Verzeichnisse und ihre Risiken.
Seriöse Onion-Dienste von Medien und Organisationen stellen wir unter Seriöse Onion-Seiten von Medien und Organisationen vor.
Häufige Fragen
Warum kann ich Onion-Adressen nicht im normalen Browser öffnen?
.onion ist keine normale Top-Level-Domain im Domain Name System. Die Adressen werden ausschließlich innerhalb des Tor-Netzwerks aufgelöst, deshalb braucht es den Tor Browser oder eine andere Tor-Software.
Warum sehen Onion-Adressen so zufällig aus?
Weil sie aus einem kryptografischen Schlüssel berechnet werden. Manche Anbieter erzeugen mit viel Rechenaufwand Adressen, die mit einem lesbaren Wort beginnen. Der Rest bleibt zufällig.
Funktionieren alte Onion-Adressen mit 16 Zeichen noch?
Nein. Die alten v2-Adressen wurden 2021 abgeschaltet. Seitdem funktionieren nur noch v3-Adressen mit 56 Zeichen.
Wo finde ich seriöse Onion-Adressen?
Auf der offiziellen Website des jeweiligen Anbieters. Viele Seiten zeigen im Tor Browser zudem automatisch einen Hinweis „.onion available“ an. Das Tor Project führt außerdem eine Liste eigener Onion-Dienste.
Quellen
- Tor SpecificationsEncoding onion addresses [ONIONADDRESS] abgerufen am 20.10.2026
- Tor Project CommunityHow do Onion Services work? abgerufen am 20.10.2026
- Kushal Das (Tor-Projektmitglied)Onion Service version 2 deprecation timeline abgerufen am 20.10.2026
- Ctrl blogPromote your Onion site with the Onion-Location HTTP header abgerufen am 20.10.2026
- TechRadarBBC News launches Tor mirror site abgerufen am 20.10.2026
Redaktion
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Zuletzt aktualisiert am 20. Oktober 2026