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Wie funktioniert das Darknet technisch?
Wie das Darknet technisch funktioniert: Onion-Routing, Relays, verschlüsselte Schichten und Onion-Dienste – verständlich erklärt, ohne Vorwissen.
Redaktion Darknet KompassAktualisiert am 5 Min. Lesezeit
Das Wichtigste in Kürze
- Im Tor-Netzwerk läuft jede Verbindung über drei zufällig gewählte Server, sogenannte Relays.
- Die Daten sind mehrfach verschlüsselt; jedes Relay entfernt nur eine Schicht und kennt nur seinen Vorgänger und Nachfolger.
- Onion-Seiten verbergen zusätzlich den Standort ihres Servers: Die Verbindung führt über sechs Relays und einen Treffpunkt.
- Das Tor-Netzwerk besteht aus rund 8.900 freiwillig betriebenen Relays (Stand Oktober 2026).
Inhalt
Das Darknet funktioniert über Netzwerke, die Verbindungen über mehrere verschlüsselte Zwischenstationen leiten. Im Tor-Netzwerk, dem größten Darknet, läuft jede Verbindung über drei zufällig gewählte Server. Keiner von ihnen kennt gleichzeitig, wer du bist und was du aufrufst.
Das Problem: Das Internet verrät, wer mit wem spricht
Im normalen Internet hat jedes Gerät eine IP-Adresse – eine Art Absender auf jedem Datenpaket. Wenn du eine Website aufrufst, sieht die Website deine IP-Adresse, und dein Internetanbieter sieht, mit welchem Server du dich verbindest. Selbst wenn die Verbindung per HTTPS verschlüsselt ist, bleibt sichtbar, wer mit wem kommuniziert. Diese Informationen nennt man Metadaten.
Das Darknet setzt genau hier an: Es verschleiert die Metadaten, nicht nur den Inhalt.
Die Lösung: Onion-Routing in drei Schritten
Tor nutzt das Onion-Routing. Der Name kommt von der Zwiebel (englisch onion): Deine Daten werden in mehrere Verschlüsselungsschichten verpackt, die unterwegs nacheinander entfernt werden.
- Route wählen: Dein Tor Browser wählt drei Relays aus dem Netzwerk aus: ein Eingangsrelay (Guard), ein mittleres Relay und ein Ausgangsrelay (Exit).
- Dreifach verschlüsseln: Bevor die Daten losgehen, verschlüsselt der Browser sie dreimal – zuerst mit dem Schlüssel des Exit-Relays, dann mit dem des mittleren Relays, zuletzt mit dem des Guard-Relays.
- Schicht für Schicht weiterleiten: Jedes Relay entfernt seine Schicht und erfährt dadurch nur, wohin es die Daten als Nächstes schicken soll. Erst das Exit-Relay sendet die Anfrage an die eigentliche Website.
Wer was weiß
| Station | Kennt deine IP-Adresse? | Kennt dein Ziel? |
|---|---|---|
| Dein Internetanbieter | Ja | Nein – er sieht nur die Verbindung zu Tor |
| Guard-Relay (Eingang) | Ja | Nein |
| Mittleres Relay | Nein | Nein |
| Exit-Relay (Ausgang) | Nein | Ja |
| Die besuchte Website | Nein – sie sieht die IP des Exit-Relays | Ja |
Das ist der Kern des Prinzips: Niemand in der Kette kennt beide Enden. Um dich zu identifizieren, müsste jemand den Datenverkehr am Eingang und am Ausgang gleichzeitig beobachten und zeitlich abgleichen.
Wer das Netzwerk betreibt
Die Relays werden von Freiwilligen betrieben: von Privatpersonen, Universitäten, Vereinen und Organisationen in aller Welt. Laut Tor Metrics bestand das Netzwerk im Oktober 2026 aus rund 8.900 Relays und rund 2.400 Bridges. Bridges sind nicht öffentlich gelistete Eingangsrelays für Menschen in Ländern, die Tor sperren.
Welche Relays es gibt, steht in einem öffentlichen Verzeichnis, das wenige vertrauenswürdige Server stündlich gemeinsam erstellen. So weiß jeder Tor Browser, welche Relays er nutzen kann.
Onion-Seiten: Auch der Server bleibt verborgen
Bis hierhin schützt Tor nur dich als Besucher. Die Website selbst steht weiterhin an einem bekannten Ort im Internet. Onion-Dienste gehen einen Schritt weiter: Auch der Standort des Servers bleibt geheim. Das ist das, was man im engeren Sinn als Darknet bezeichnet.
So funktioniert eine Verbindung zu einer Onion-Seite, vereinfacht:
- Der Dienst wählt Einführungspunkte. Der Server baut über Tor Verbindungen zu einigen Relays auf und bittet sie, Anfragen für ihn entgegenzunehmen. Diese Relays wissen nicht, wo der Server steht.
- Der Dienst veröffentlicht eine Visitenkarte. Eine signierte Beschreibung mit den Einführungspunkten wird in einem verteilten Verzeichnis im Tor-Netzwerk hinterlegt.
- Du suchst die Visitenkarte. Dein Browser fragt das Verzeichnis anhand der Onion-Adresse ab und prüft die Signatur. Weil die Adresse selbst der öffentliche Schlüssel des Dienstes ist, kann niemand eine falsche Visitenkarte unterschieben.
- Ihr verabredet einen Treffpunkt. Dein Browser wählt ein Relay als Treffpunkt (Rendezvous-Punkt) und teilt dem Dienst über einen Einführungspunkt mit, wo ihr euch trefft.
- Beide Seiten bauen ihre Hälfte auf. Du baust drei Hops bis zum Treffpunkt, der Dienst ebenfalls drei. Insgesamt läuft die Verbindung über sechs Relays und ist durchgehend verschlüsselt.
Das Ergebnis: Weder du noch der Dienst noch eines der Relays kennt den Standort der jeweils anderen Seite. Es gibt kein Exit-Relay, das mitlesen könnte. Wie die zugehörigen Adressen aussehen, erklärt der Artikel Onion-Adressen erklärt.
Andere Darknets: I2P und Hyphanet
Tor ist nicht das einzige Darknet, aber das mit Abstand größte. Zwei weitere Netzwerke funktionieren anders:
- I2P (Invisible Internet Project) leitet Hin- und Rückweg über getrennte Tunnel und bündelt mehrere Nachrichten zu einem Paket („Garlic Routing“). Es ist vor allem für Dienste innerhalb des eigenen Netzes gedacht.
- Hyphanet (früher Freenet) ist ein verteilter Speicher: Inhalte werden verschlüsselt auf den Rechnern der Teilnehmer abgelegt und bleiben verfügbar, auch wenn der ursprüngliche Anbieter offline ist.
Den ausführlichen Vergleich findest du unter Tor, I2P, Freenet & Co. im Vergleich.
Was das Darknet technisch nicht leisten kann
Die Technik verschleiert, wer mit wem kommuniziert. Sie kann aber nicht verhindern, dass du dich selbst verrätst – etwa durch eine Anmeldung mit echtem Namen, durch Metadaten in hochgeladenen Fotos oder durch Schadsoftware auf deinem Gerät. Auch ein Angreifer, der sehr große Teile des Internets gleichzeitig überwacht, könnte Verbindungen theoretisch über Zeitmuster zuordnen. Mehr dazu im Bereich Sicherheit und Anonymität und im Artikel Wie Deanonymisierung funktioniert.
Häufige Fragen
Wer betreibt die Server des Tor-Netzwerks?
Freiwillige weltweit – Privatpersonen, Universitäten, Vereine und Organisationen. Im Oktober 2026 zählte das Netzwerk laut Tor Metrics rund 8.900 Relays und rund 2.400 Bridges.
Kann ein Relay meine Daten mitlesen?
Das Eingangsrelay kennt deine IP-Adresse, aber nicht dein Ziel. Das Ausgangsrelay kennt das Ziel, aber nicht dich. Ist die besuchte Seite nicht mit HTTPS verschlüsselt, könnte das Ausgangsrelay den Inhalt sehen – bei Onion-Seiten gibt es kein Ausgangsrelay.
Warum ist das Darknet langsamer als das normale Internet?
Weil jede Anfrage über mehrere Server in verschiedenen Ländern läuft und mehrfach ver- und entschlüsselt wird. Bei Onion-Seiten sind es sogar sechs Relays.
Funktionieren alle Darknets wie Tor?
Nein. I2P nutzt ein ähnliches Prinzip mit getrennten Hin- und Rückwegen, Freenet bzw. Hyphanet ist ein verteilter Datenspeicher. Tor ist aber mit Abstand das größte Netzwerk.
Quellen
- Tor Project CommunityHow do Onion Services work? abgerufen am 20.10.2026
- Tor SpecificationsCircuit Creation, Entry Guard Selection abgerufen am 20.10.2026
- Tor ProjectTor Metrics: Relays and bridges (networksize.csv) abgerufen am 20.10.2026
- Tor Project SupportWhat is a .onion address? abgerufen am 20.10.2026
Redaktion
Die Redaktion recherchiert, schreibt und prüft alle Inhalte nach den veröffentlichten Redaktionsgrundsätzen. Jeder Artikel nennt seine Quellen.
Zuletzt aktualisiert am 20. Oktober 2026