FortgeschrittenTor und Zugang

I2P erklärt: das Invisible Internet Project

Was I2P ist, wie Garlic Routing und getrennte Tunnel funktionieren, wofür sich das Netzwerk eignet und wie es sich von Tor unterscheidet – verständlich erklärt.

Redaktion Darknet KompassAktualisiert am 4 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • I2P ist ein Anonymisierungsnetzwerk, das vor allem für Dienste innerhalb des eigenen Netzes gedacht ist, nicht für das normale Web.
  • Es nutzt getrennte Tunnel für Hin- und Rückweg und bündelt Nachrichten (Garlic Routing).
  • Es gibt keine zentralen Verzeichnisserver; jeder Teilnehmer leitet auch Verkehr für andere weiter.
  • Websites im I2P-Netz heißen Eepsites und enden auf .i2p.
Inhalt

I2P, das „Invisible Internet Project“, ist ein Anonymisierungsnetzwerk, das vor allem für Dienste innerhalb des eigenen Netzes gebaut ist: Websites, Chats, E-Mail und Dateitausch zwischen I2P-Nutzern. Anders als Tor ist es nicht darauf ausgelegt, anonym ins normale Internet zu gelangen. Das Projekt begann 2003; die aktuelle Version 2.13.0 erschien im Juli 2026.

Wie I2P funktioniert

Tunnel statt Schaltkreise

Bei Tor laufen Anfrage und Antwort über denselben Schaltkreis. I2P trennt die Richtungen: Jeder Teilnehmer baut ausgehende und eingehende Tunnel über mehrere andere Router auf. Eine Nachricht verlässt dich über deinen ausgehenden Tunnel und erreicht den Empfänger über dessen eingehenden Tunnel. Die Antwort nimmt einen ganz anderen Weg.

Der Vorteil: Jeder Beteiligte sieht nur eine Richtung des Datenverkehrs. Das erschwert es, Verbindungen über Zeitmuster zuzuordnen.

Garlic Routing

I2P erweitert das Onion-Routing um eine Idee: Mehrere verschlüsselte Nachrichten können zu einem Paket gebündelt werden, wie Zehen einer Knoblauchknolle – daher „Garlic Routing“. Laut dem Projekt verringert das die Menge verwertbarer Metadaten und den Bandbreitenbedarf.

Kein zentrales Verzeichnis

Tor nutzt eine kleine Zahl fest eingebauter Verzeichnisserver, die gemeinsam die Liste aller Relays erstellen. I2P verzichtet darauf: Die Informationen über Router und Dienste liegen in einer verteilten Datenbank (netDb), die von besonders leistungsfähigen Routern, den sogenannten Floodfill-Routern, gepflegt wird.

Jeder ist auch Router

Wer I2P nutzt, leitet automatisch auch Verkehr für andere weiter. Das vergrößert die Menge, in der sich der Einzelne verbirgt. Laut der Projektdokumentation umfasst das Netzwerk rund 55.000 Router.

Was man mit I2P macht

AnwendungBeschreibung
EepsitesWebsites im I2P-Netz mit Adressen auf .i2p
I2PSnarkEingebauter BitTorrent-Client für Dateitausch innerhalb von I2P
SusiMailWebmail-Programm für E-Mail innerhalb des Netzes
I2PTunnelWerkzeug, um beliebige Programme über I2P zu leiten

Für das normale Internet gibt es nur wenige Ausgänge (Outproxies). Das Projekt betrachtet sie als Nebensache; der Verkehr soll im Netz bleiben.

Die beiden Router: Java und C++

Es gibt zwei verbreitete Implementierungen:

  • I2P (Java): die ursprüngliche Software mit allen eingebauten Anwendungen und einer Weboberfläche zur Verwaltung.
  • i2pd (C++): eine schlankere Alternative, die weniger Ressourcen braucht, aber Zusatzprogramme wie Torrent-Client und E-Mail nicht mitbringt.

Die offizielle Website des Projekts ist i2p.net.

I2P und Tor im Vergleich

TorI2P
HauptzweckAnonymer Zugang zum normalen Internet und Onion-DiensteDienste innerhalb des eigenen Netzes, Peer-to-Peer
WegeEin Schaltkreis für beide RichtungenGetrennte Tunnel für Hin- und Rückweg
VerzeichnisWenige zentrale VerzeichnisserverVerteilte Datenbank ohne zentrale Instanz
Ausgang ins InternetKernfunktion (Exit-Relays)Nur wenige Outproxies, nicht empfohlen
NutzerMillionen täglichDeutlich weniger; rund 55.000 Router laut Projekt
BedienungTor Browser, sehr einsteigerfreundlichRouter installieren, Browser einrichten; mehr Aufwand
Typische Latenz laut I2P-Projektetwa 200–500 msetwa 1–3 Sekunden

Das I2P-Projekt selbst beschreibt sein Netzwerk nicht als Ersatz für Tor, sondern als eine andere Art von Netzwerk für andere Zwecke. Wer anonym normale Websites besuchen will, ist mit Tor besser bedient. Wer Dienste ausschließlich innerhalb eines anonymen Netzes betreiben oder Dateien Peer-to-Peer tauschen will, findet in I2P eine Alternative.

Die Grenzen von I2P

  • Kleinere Nutzerbasis: Weniger Nutzer bedeuten eine kleinere Menge, in der man sich verbergen kann.
  • Mehr Aufwand: Die Einrichtung erfordert mehr technisches Wissen als der Tor Browser; einen so umfassend gegen Wiedererkennung gehärteten Browser wie den Tor Browser gibt es für I2P nicht.
  • Längere Startzeit: Ein neuer Router braucht einige Zeit, bis er gut ins Netz eingebunden ist.

Einen Gesamtüberblick über alle Netzwerke gibt Tor, I2P, Freenet & Co. im Vergleich.

Häufige Fragen

Ist I2P besser als Tor?

Nicht besser, sondern anders. Tor ist für den anonymen Zugang zum normalen Internet optimiert und hat viel mehr Nutzer. I2P ist für Dienste innerhalb des eigenen Netzes und Peer-to-Peer-Anwendungen gebaut.

Kann ich mit I2P normale Websites besuchen?

Nur eingeschränkt. Ausgänge ins normale Internet (Outproxies) gibt es nur wenige, und das Projekt rät davon ab, sich darauf zu verlassen. Dafür ist Tor die bessere Wahl.

Ist I2P legal?

Ja. Wie bei Tor ist die Nutzung in Deutschland erlaubt; strafbar sind konkrete Handlungen.

Quellen

  1. The Invisible Internet ProjectI2P vs Other Privacy Networks abgerufen am 20.10.2026
  2. WikipediaI2P abgerufen am 20.10.2026
  3. Tor ProjectTor Metrics: Top-10 countries by directly connecting users abgerufen am 20.10.2026

Redaktion Darknet Kompass

Redaktion

Die Redaktion recherchiert, schreibt und prüft alle Inhalte nach den veröffentlichten Redaktionsgrundsätzen. Jeder Artikel nennt seine Quellen.

Zuletzt aktualisiert am 20. Oktober 2026

Weiterlesen

  • Fortgeschritten

    Tor, I2P, Freenet & Co. im Vergleich

    Tor, I2P, Hyphanet, VPN und Proxy im direkten Vergleich: Zweck, Schutz, Geschwindigkeit und Bedienung – mit einer klaren Empfehlung für jeden Einsatzzweck.

    3 Min. Lesezeit · Tor und Zugang

  • Experte

    Freenet (Hyphanet) erklärt

    Wie Hyphanet, früher Freenet, funktioniert: verteilter verschlüsselter Speicher, Opennet- und Darknet-Modus, Freesites und warum Inhalte verschwinden können.

    4 Min. Lesezeit · Tor und Zugang

  • Fortgeschritten

    Onion-Routing Schritt für Schritt erklärt

    Wie Onion-Routing technisch funktioniert: Schaltkreise, Schlüsselaustausch, Verschlüsselungsschichten, Pfadauswahl und die Grenzen des Verfahrens.

    5 Min. Lesezeit · Tor und Zugang

  • Einsteiger

    Wie funktioniert das Darknet technisch?

    Wie das Darknet technisch funktioniert: Onion-Routing, Relays, verschlüsselte Schichten und Onion-Dienste – verständlich erklärt, ohne Vorwissen.

    5 Min. Lesezeit · Grundlagen