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Die Geschichte des Darknets

Vom Forschungsprojekt der US-Marine bis zu Silk Road und Hydra: die Geschichte des Darknets als Zeitleiste mit allen wichtigen Ereignissen.

Redaktion Darknet KompassAktualisiert am 6 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Grundidee – das Onion-Routing – entstand Mitte der 1990er-Jahre im Forschungslabor der US-Marine.
  • Tor ging 2002 in Betrieb; seit 2006 wird es vom gemeinnützigen Tor Project gepflegt.
  • Bekannt wurde das Darknet ab 2011 durch den Marktplatz Silk Road – und durch die vielen Polizeioperationen danach.
  • Parallel wuchs die legitime Nutzung: Medien, Whistleblower-Plattformen und Menschen in Zensurstaaten.
Inhalt

Das Darknet entstand nicht als Unterwelt, sondern als Forschungsprojekt: Mitte der 1990er-Jahre entwickelten Wissenschaftler der US-Marine das Onion-Routing, um Kommunikation im Internet zu schützen. Daraus wurde 2002 das Tor-Netzwerk. Bekannt wurde das Darknet aber erst ab 2011 – durch den Drogenmarkt Silk Road.

Die Zeitleiste im Überblick

JahrEreignis
Mitte der 1990erPaul Syverson, Michael Reed und David Goldschlag entwickeln am Naval Research Laboratory (NRL) der US-Marine das Onion-Routing
1999Beginn der Entwicklung von Freenet
2002Microsoft-Forscher prägen den Begriff „Darknet“; das Tor-Netzwerk geht in Betrieb
2003Beginn des Projekts I2P
2006Gründung des gemeinnützigen Tor Project
2011Der Marktplatz Silk Road startet
2013FBI schaltet Silk Road ab; die Freedom of the Press Foundation übernimmt SecureDrop
2014Operation Onymous: Europol und FBI schließen u. a. Silk Road 2.0; Facebook startet eine Onion-Adresse
2017AlphaBay und Hansa werden abgeschaltet
2019Deutsche Ermittler zerschlagen Wall Street Market
2021Alte v2-Onion-Adressen werden abgeschaltet; § 127 StGB tritt in Kraft; Russland blockiert Tor
2022BKA schaltet Hydra Market ab, den damals umsatzstärksten Darknet-Markt
2023Freenet wird in Hyphanet umbenannt
2025Silk-Road-Gründer Ross Ulbricht wird begnadigt; Archetyp Market wird zerschlagen

Die Anfänge: Onion-Routing bei der US-Marine

Mitte der 1990er-Jahre beschäftigte sich das Naval Research Laboratory mit einer Frage: Wie kann man über ein öffentliches Netz wie das Internet kommunizieren, ohne dass Außenstehende erkennen, wer mit wem spricht? Verschlüsselung allein reicht dafür nicht, denn sie verbirgt nur den Inhalt, nicht die Absender- und Empfängeradresse.

Die Antwort der Forscher Paul Syverson, Michael Reed und David Goldschlag war das Onion-Routing: Daten werden mehrfach verschlüsselt und über mehrere Zwischenstationen geleitet. Jede Station entfernt nur eine Verschlüsselungsschicht – wie bei einer Zwiebel – und kennt nur ihren direkten Vorgänger und Nachfolger.

Schon früh war klar: Ein solches Netz schützt nur, wenn es von vielen verschiedenen Menschen genutzt wird. Würden nur Regierungsbehörden es verwenden, wäre jeder Nutzer automatisch als Behördenmitarbeiter erkennbar. Anonymität braucht eine große, gemischte Menge.

2002: Tor geht online

Roger Dingledine und Nick Mathewson entwickelten gemeinsam mit Paul Syverson eine verbesserte Version des Onion-Routings: Tor, ursprünglich ein Kürzel für „The Onion Routing“. Das Netzwerk ging im Oktober 2002 in Betrieb, der Quellcode wurde von Anfang an unter einer freien Lizenz veröffentlicht. Ab 2004 förderte zusätzlich die Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation die Entwicklung. 2007 kamen die ersten Bridges hinzu, 2008 begann die Arbeit am Tor Browser.

2006 gründeten die Entwickler das Tor Project als gemeinnützige Organisation in den USA. Mit dem Tor Browser, einem angepassten Firefox, wurde Tor in den folgenden Jahren auch für Menschen ohne technisches Wissen nutzbar.

Parallele Entwicklungen: Freenet und I2P

Tor war nicht das einzige Projekt. Freenet – heute Hyphanet – entstand ab 1999 als dezentraler, zensurresistenter Datenspeicher. Ab 2003 entwickelte eine Community das I2P (Invisible Internet Project), ein Netzwerk, das vor allem für Dienste innerhalb des eigenen Netzes gedacht ist. Beide sind bis heute deutlich kleiner als Tor. Einen Vergleich findest du unter Tor, I2P, Freenet & Co. im Vergleich.

2002: Der Begriff „Darknet“

Im Jahr 2002 veröffentlichten vier Microsoft-Forscher das Fachpapier „The Darknet and the Future of Content Distribution“. Sie verstanden unter einem Darknet Netzwerke, in denen Menschen digitale Inhalte – damals vor allem Musik und Filme – unbemerkt austauschen. Ihr Argument: Kopierschutz könne diese Netze nicht verhindern. Der Begriff löste sich später von der Dateitauschbörse und steht heute vor allem für Anonymisierungsnetzwerke wie Tor.

2011 bis 2013: Silk Road macht das Darknet bekannt

Im Februar 2011 startete Silk Road, ein Marktplatz als Onion-Dienst, auf dem vor allem Drogen gehandelt und mit Bitcoin bezahlt wurde. Die Kombination aus verschleierter Website und Kryptowährung war neu und zog große Aufmerksamkeit auf sich.

Im Oktober 2013 nahm das FBI den Betreiber Ross Ulbricht in San Francisco fest und schaltete die Seite ab. Ulbricht wurde 2015 zu lebenslanger Haft verurteilt. Im Januar 2025 begnadigte ihn US-Präsident Donald Trump. Die vollständige Geschichte erzählt der Artikel Silk Road: Aufstieg und Fall.

2013: Snowden und die legitime Seite

Im selben Jahr veröffentlichte Edward Snowden Dokumente über die Massenüberwachung durch Geheimdienste. Das Interesse an Werkzeugen zum Schutz der Privatsphäre stieg deutlich. Ebenfalls 2013 übernahm die Freedom of the Press Foundation das Projekt SecureDrop – ein System, mit dem Redaktionen über Onion-Dienste anonym Dokumente von Informanten empfangen. Ursprünglich hatten es Aaron Swartz und Kevin Poulsen als „DeadDrop“ entwickelt.

2014 startete Facebook eine eigene Onion-Adresse, später folgten Medien wie ProPublica, die New York Times, die BBC und die Deutsche Welle. Sie wollen damit Leserinnen und Leser in Ländern mit Zensur erreichen.

2014 bis 2022: Märkte kommen und gehen

Nach Silk Road entstanden immer neue Marktplätze – und immer neue Ermittlungen:

  • 2014: Bei der Operation Onymous schalteten Europol, FBI und Polizeibehörden aus 17 Ländern mehrere Marktplätze ab, darunter Silk Road 2.0.
  • 2017: Ermittler aus den USA und den Niederlanden schalteten AlphaBay ab und übernahmen den Markt Hansa unbemerkt, um dessen Nutzer zu identifizieren.
  • 2019: Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt und das BKA zerschlugen Wall Street Market. Drei Deutsche wurden festgenommen; die Plattform hatte über 1,1 Millionen Kundenkonten und über 5.400 Verkäufer.
  • 2022: Das BKA schaltete im April den russischsprachigen Marktplatz Hydra ab, dessen Server in Deutschland standen, und stellte Bitcoin im Wert von rund 23 Millionen Euro sicher.

Mehr dazu im Artikel Polizeioperationen gegen Darknet-Märkte.

2021: Technische und rechtliche Wendepunkte

2021 war ein Jahr mehrerer Veränderungen:

  • Das Tor Project schaltete die alten v2-Onion-Adressen mit 16 Zeichen ab. Seitdem gibt es nur noch die sichereren v3-Adressen mit 56 Zeichen.
  • In Deutschland trat am 1. Oktober § 127 StGB in Kraft, der das Betreiben krimineller Handelsplattformen unter Strafe stellt.
  • Im Dezember begann Russland, die Website des Tor Project und Teile des Netzwerks zu sperren. Das Tor Project rief daraufhin Freiwillige auf, sogenannte Bridges bereitzustellen.

Seit 2023: Verlagerung und Professionalisierung

2023 wurde Freenet in Hyphanet umbenannt, weil der Name an ein neues Projekt derselben Organisation ging. Im Juni 2025 zerschlugen das BKA und die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt mit europäischen Partnern Archetyp Market, einen der größten und am längsten bestehenden Drogenmärkte; gezahlt wurde dort ausschließlich mit Monero.

Gleichzeitig verlagert sich ein Teil des Handels auf Messenger wie Telegram und auf einzelne Händler-Shops. Wie sich das Darknet weiterentwickelt, beobachten wir im Bereich News und Analysen.

Häufige Fragen

Wer hat das Darknet erfunden?

Es gibt keinen einzelnen Erfinder. Das Onion-Routing, die Grundlage von Tor, entwickelten Paul Syverson, Michael Reed und David Goldschlag ab Mitte der 1990er-Jahre im Naval Research Laboratory der US-Marine. Tor selbst entwickelten Roger Dingledine, Nick Mathewson und Paul Syverson.

Warum hat die US-Regierung Tor gefördert?

Ziel war, Kommunikation über das Internet so zu schützen, dass Außenstehende nicht erkennen, wer mit wem spricht – etwa für Regierungsbehörden. Das funktioniert nur, wenn viele unterschiedliche Menschen das Netzwerk nutzen. Deshalb wurde Tor öffentlich und frei zugänglich gemacht.

Seit wann gibt es den Begriff Darknet?

Bekannt wurde er durch ein Fachpapier von Microsoft-Forschern aus dem Jahr 2002. Darin bezeichnete er private Netzwerke zum unbemerkten Austausch von Dateien.

Gibt es Silk Road heute noch?

Nein. Silk Road wurde im Oktober 2013 vom FBI abgeschaltet. Nachfolger wie Silk Road 2.0 wurden ebenfalls geschlossen.

Quellen

  1. Tor ProjectTor Project: History abgerufen am 20.10.2026
  2. Microsoft Corporation, via UC DavisThe Darknet and the Future of Content Distribution (2002) abgerufen am 20.10.2026
  3. HyphanetFreenet renamed to Hyphanet abgerufen am 20.10.2026
  4. SecureDrop DocumentationWhat Is SecureDrop? abgerufen am 20.10.2026
  5. WikipediaOperation Onymous abgerufen am 20.10.2026
  6. The Hacker NewsGermany shuts down Russian Hydra darknet market abgerufen am 20.10.2026
  7. Borns IT- und Windows-BlogFestnahme der Wall Street Market-Verantwortlichen abgerufen am 20.10.2026
  8. ZDFheute„Archetyp Market“: Riesiger Drogenmarkt im Darknet abgeschaltet abgerufen am 20.10.2026
  9. Kushal Das (Tor-Projektmitglied)Onion Service version 2 deprecation timeline abgerufen am 20.10.2026
  10. DataBreaches.netAlphaBay and Hansa taken down in coordinated operations by FBI and Dutch National Police abgerufen am 20.10.2026
  11. The Hacker NewsFacebook Now Accessible Via Tor Network Using Official .Onion Address abgerufen am 20.10.2026
  12. BleepingComputerTor's main site blocked in Russia as censorship widens abgerufen am 20.10.2026
  13. NBC WashingtonTrump pardons Silk Road creator Ross Ulbricht abgerufen am 20.10.2026

Redaktion Darknet Kompass

Redaktion

Die Redaktion recherchiert, schreibt und prüft alle Inhalte nach den veröffentlichten Redaktionsgrundsätzen. Jeder Artikel nennt seine Quellen.

Zuletzt aktualisiert am 20. Oktober 2026

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